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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Die Ware Frau

von Susanne Stiefel vom 27.09.2013
Kürzlich hat der Bundestag das Prostitutionsgesetz reformiert. Seitdem wird wieder gestritten um käuflichen Sex. Was hilft den Frauen wirklich? Soll man Prostitution verbieten wie in Schweden?

Noemi will raus. Dabei wirkte das Stuttgarter Rotlichtviertel aus der Ferne so verlockend. Von Zahony aus, der kleinen ungarischen Grenzstadt, wo Noemi lebte, dort an der Grenze zur Ukraine, wo es keine Arbeit gibt, leuchtete es wie das Paradies. Noemis Träume schienen einen Ort gefunden zu haben. Endlich Geld, um die Kinder in die Schule zu schicken, endlich Geld, um die Miete zu zahlen und die Arbeitslosigkeit des Mannes zu kompensieren. Der Traum vom schnellen Geld wurde schon nach einem Jahr zum Alptraum.

»Für die Männer hier bin ich nur ein Stück Fleisch mit Loch«, sagt die 29-Jährige. Schwarze Haare, schwarze Augen, trotz ihrer kräftigen Figur wirkt sie zerbrechlich. Sie hat die Freier nur ertragen, indem sie die Augen geschlossen und bis zwanzig gezählt hat. Fünf Jahre als Hure zählen wie hundert Jahre Einsamkeit. Noemi will wieder zurück ins Leben. Die Aussteigerin aus dem Milieu hat wenig gemein mit dem Fantasiebild der glamourösen Hure, die Befürworter einer entkriminalisierten Prostitution gerne beschwören. Seit der EU-Grenzöffnung sind achtzig Prozent der Frauen, die in Deutschland anschaffen, Ausländerinnen; die meisten kommen – wie Noemi – aus Ungarn, Tschechien, Rumänien oder Polen.

Von Menschenhandel ist die Rede, von Zwangsprostitution. Die Geschichten von verschleppten Frauen und Kindern, die nach Deutschland verkauft und dort auf den Strich geschickt werden, eignen sich gut für einen eindrücklichen »Tatort« am Sonntagabend. Das alltägliche Elend ist weit weniger spektakulär, aber genauso trist. Noemi wollte ein besseres Leben für ihre Familie. Sie hat ihren Kindern schamvoll verschwiegen, womit sie das Geld für die Wohnung und für ihre Ausbildung verdient hat. Doch nach einem Jahr hat sich ihr Mann scheiden lassen, ihre Kinder sieht sie nun nur noch alle zwei Monate. Der Aufbruch nach Stuttgart sollte die Armut überwinden und hat sie ihre Familie gekostet.

Gezwungen oder frei gewählt? Moderne Sklaverei oder selbstbestimmte Sexarbeit? Zwischen diesen Polen bewegt sich die Debatte über Prostitution in Deutschland. Hilfsorganisationen wie Solwodi und Netzwerk B auf der einen und Hurenverbände wie Hydra und Dona Carmen auf der anderen Seite, Sozialarbeiterinnen gegen Zuhälter kämpfen um die entscheidende Frage: Soll die Prostitution ver

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