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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2012
Wer rettet den Euro vor seinen Rettern?
Europa am Scheideweg
Der Inhalt:

Komplizen des Kapitals

von Franz Segbers vom 21.09.2012
Auch Kirchen finanzieren ihre Renten teilweise am Geldmarkt. Das könnte sich bald rächen

Sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die vor Jahren noch eine kapitalbasierte Rente propagiert hatte, muss nun eingestehen: »Künftige Rentengenerationen werden es nicht leicht haben: Der Anlagennotstand der Pensionskassen ist abzusehen.«

Diese Ernüchterung ist keineswegs überraschend. Nicht wenige Ökonomen hatten immer schon vor Traumrenditen von elf Prozent auf dem Finanzmarkt gewarnt. Während der Finanzkrise ist nach Angaben der OECD fast ein Viertel des Investitionswertes der privaten Pensionsfonds verbrannt. Jetzt werden die Propagandisten der kapitalgedeckten Altersvorsorge kleinlaut. Die Garantiezinsen für Lebensversicherungen wurden im Jahr 2011 von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent abgesenkt, die Renditezusagen der neueren Riester-Verträge fallen geringer aus.

Das Problem, vor dem alle Versorgungswerke stehen, lässt sich an der Renditeentwicklung deutscher Bundesanleihen ablesen: Warfen die Papiere im Jahr 2002 noch einen üppigen Ertrag von mehr als fünf Prozent ab, sind es heute noch 1,2 Prozent. Diese Entwicklung trifft auch die kirchlichen Anleger, die kirchlichen Versorgungskassen und Pensionen, und zwar unabhängig davon, ob es ethische Kriterien für verantwortungsbewusste Anlagen gibt.

Diese Entwicklung macht vielen Menschen Angst vor Altersarmut, hatte man doch überall geraten, eine sichere Altersvorsorge auf dem Kapitalmarkt aufzubauen. Ratlosigkeit und Furcht vor Altersarmut machen sich auch bei Pensionskassen und Unterstützungskassen breit. Es zeigt sich nun, dass eine umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung krisenfester ist. Bei der umlagefinanzierte Rente finanzieren die, die arbeiten, jenen die Rente, die nicht mehr arbeiten. Aufgrund des demografischen Wandels wird auch dieses System angepasst werden müssen. Doch es ist sicherer als die propagierte Kapitaldeckung, bei der Ruheständler von den Zinserträgen ihrer Anlagen leben.

Wolfgang Hubers Umkehr. Noch im Jahre 2009 übte der damalige Vorsitzende des Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, scharfe Kritik am Finanzsystem und forderte eine »Umkehr«, weil es »nicht mehr so weitergehen kann«. Kritische Stimmen warfen den Kirchen immer wieder eine »Komplizenschaft« mit dem Kapitalismus vor. Und jetzt zeigt sich diese Komplizenschaft bei der Finanzierung de

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