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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2019
Höhenglück
Warum uns die Alpen so faszinieren
Der Inhalt:

»Wir müssen mit alten Mustern brechen«

von Barbara Tambour vom 06.09.2019
Was macht die Evangelische Schule Berlin Zentrum anders? Fragen an die Gründerin Margret Rasfeld

Publik-Forum: Frau Rasfeld, Sie haben über viele Jahre die Evangelische Schule Berlin Zentrum geleitet, eine Schule von Klasse 7 bis zum Abitur mit neuen Fächern und neuen Lernformen. Was läuft dort anders?

Margret Rasfeld: Wir arbeiten in Jahrgangsmischung. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7, 8 und 9 werden gemeinsam unterrichtet. Die Grundlagen in den einzelnen Fächern, die man für die zentralen Prüfungen können muss, erarbeiten sich die Schüler selbst. Dazu besuchen sie jeden Tag für zwei Schulstunden die Lernbüros Deutsch, Mathe, Englisch oder Natur & Gesellschaft. Dort bearbeiten sie Lernbausteine. Das sind Aufgaben zum Selbstlernen und zum Üben – manche auf Karteikarten, andere zum Anfassen oder im Dialog. Ein Lehrer ist im Klassenraum. Bei diesem Format kann jeder in seinem individuellen Tempo lernen. Wir haben ja sowohl Kinder mit Handicap als auch Kinder mit Hochbegabung. Wer ein Thema beherrscht, meldet sich zum Test an. Keines unserer Kinder liegt abends wach und hat Angst, bei der Klassenarbeit am nächsten Morgen zu versagen. Und es gibt bis Klasse 9 keine Ziffernnoten, sondern Zertifikate, in denen die Leistung der Schüler gewürdigt wird.

Welchen neuen Unterricht gibt es noch?

Rasfeld: Um Erfahrung im Umgang mit Ungewissheit zu sammeln, haben wir das Fach »Herausforderung« eingeführt. Dabei sind die Schüler drei Wochen in kleinen Gruppen außerhalb Berlins unterwegs. Das darf nur 150 Euro kosten. Viele machen eine Fahrradtour oder wandern, zum Beispiel von Berlin zur Ostesee. Ein Erwachsener begleitet sie, hält sich aber zurück. In der Schule werden die Unternehmungen gemeinsam geplant und die Erfahrungen nachbereitet. Auch beim Fach »Verantwortung« stellt das Leben die Fragen.

Worum geht es bei »Verantwortung«?

Rasfeld: Bei Verantwortung suchen sich die Kinder eine verantwortungsvolle soziale oder ökologische Aufgabe im Gemeinwesen – im Kindergarten, in Grundschulen, in Flüchtlingsheimen oder sie gehen zu alten Menschen. Jede Woche für eineinhalb Stunden. Der Tutor besucht die Kinder und erlebt oft große Überraschungen, vor allem bei den coolen Jungs. Die sind dann ganz anders. Weil die Gleichaltrigen nicht da sind, können sie ihr Herz aufmachen. Das Fach befördert die Herzensbildung. Und die Kinder fühlen: »

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