Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

»Kommt, wir suchen den Regen!«

von Juliane Ziegler vom 11.09.2015
Der Naturwissenschaftler und Pädagoge Salman Ansari kritisiert Experimentierkästen für Kleinkinder oder Kinder-Unis für Grundschüler. Statt dessen hilft er Kindern, die Welt zu entdecken

Es hat geregnet. Salman Ansari ist an diesem Tag zu Besuch im Naturschutzzentrum im hessischen Bensheim. Den Eltern und Erzieherinnen erzählt er, was er machen würde, wenn an ihrer Stelle Kinder vor ihm säßen: »Ich würde zu den Kindern sagen: ›Kommt, lasst uns den Regen suchen, er muss doch irgendwo geblieben sein!‹« Er würde mit den Kindern im Vorschulalter rausgehen und sie fragen: »Warum ist auf den Steinen nur noch wenig Wasser, auf den Holzbänken und auf einigen Blättern mehr? Was macht ein Tropfen Wasser auf einem Pflanzenblatt? Ist der Regen auch noch im Sandkasten, obwohl dort keine Pfützen sind?

Für Salman Ansari ist wichtig, dass Kinder das Problem erkennen, dass sie ihr bisher erworbenes Wissen einbringen und neue Ideen entwickeln können. »Und dabei dürfen sie Fehler machen und auch falsche Behauptungen aufstellen«, betont er. Salman Ansari – randlose Brille, höfliche und sanfte Art, ein wenig untersetzt – ist 73 Jahre alt. Er wurde in Indien geboren, floh als Kind mit seiner Großfamilie nach Pakistan, kam mit 17 nach Deutschland und studierte Chemie. Während er promoviert, betreut er an der Hochschule in Darmstadt Studierende – und beginnt, sich für Pädagogik zu interessieren. Erst unterrichtet er Studenten, dann Schüler, inzwischen lernt er mit Vorschulkindern. Lernen, das heißt für ihn, die Fünf- und Sechsjährigen dabei zu unterstützen, die Welt zu entdecken.

Statt sie mit Antworten zu füttern, will er ihre Wissbegier wecken. In seinem jüngsten Buch »Rettet die Neugier!« kritisiert er den Frühförderwahn in Kindergärten, Chinesischkurse im Vorschulalter und Unis für Grundschüler.

Zum Beispiel die Experimentierkästen – es gibt sie für jedes Alter, zu Physik, Chemie, Biologie. Kinder können Solarmodelle oder Wasserfilter bauen, mit Mikroskopen, Elektronik-Bauteilen und Glasprismen hantieren, Experimente durchführen. »Aber was meint eigentlich ›experimentieren‹? Im akademischen Sinn heißt es planen, kontrollieren, variieren, verschiedene Techniken anwenden«, sagt Ansari. Doch dazu seien Kinder noch nicht in der Lage. Sie entdeckten ihr Umfeld ohne Planung oder Methode.

Dreijährige mit Schutzbrille

Experimentierkästen sieht Ansari kritisch, weil bei ihnen das Ergebnis im Vorhinein feststeht. »Insofern ist es ja kein Experiment, sondern ein Bestätigungsversuch.« Er ist überzeugt: Nur weil man Dre

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen