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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2013
Schutzschirm der Seele
Was uns die Kraft gibt, immer wieder aufzustehen
Der Inhalt:

Südafrikas Alcatraz

von Kai Althoetmar vom 13.09.2013
Auf Robben Island saß Nelson Mandela 18 Jahre als »Staatsfeind Nummer eins« ein

Am Strand der Insel liegen zwei Schiffswracks, verwittert von Sonne, Wind und Meer, Sinnbild einer untergegangenen Ära: der südafrikanischen Apartheidpolitik, die vom Strudel der 1989er-Revolution erfasst wurde und Geschichte ist. Die einstige Gefängnisinsel Robben Island, zwölf Kilometer von Kapstadts Hafen entfernt, verkauft heute ihren Mythos – den des Hochsicherheitsknastes, in dem Nelson Mandela und die anderen schwarzen Freiheitskämpfer eingekerkert waren. Mehrmals täglich spucken die Katamarane Schiffsladungen von Touristen aus, die durch die historischen Stätten der Insel geführt werden. Die Touristen kehren nach ihrem dreieinhalbstündigem Ausflug zum Preis von umgerechnet 17 Euro noch am gleichen Tag zurück, für die Gefangenen von einst aber gab es kein Entkommen von der Insel. Heute ist die Haftanstalt Museum und Gedenkstätte.

Prominentester Häftling war Nelson Mandela, der auf der Insel im Steinbruch schuften musste. Besucher können heute unter anderem die fünf Quadratmeter große Zelle samt Decke und Mülleimer besichtigen, in der Mandela von 1964 bis 1982 inhaftiert war, ehe er in das Hochsicherheitsgefängnis nach Pollsmoor bei Kapstadt verlegt wurde. Im Oktober 1963 war Mandela im »Rivonia-Prozess« des Hochverrats, der Sabotage und der Verschwörung angeklagt worden. Dem Prozess war am 11. Juni 1963 die Durchsuchung des ANC-Untergrundhauptquartiers in Rivonia, einem Vorort von Johannesburg, vorausgegangen. In diesem Prozess übernahm Mandela selbst die Verteidigung und sagte in seinem Plädoyer, er sei einer der Gründer des militärischen Arms des African National Congress (ANC).

Als der Rivonia-Prozess begann, saß Mandela gerade eine andere Haftstrafe ab. Weil er zum Streik aufgerufen und Südafrika ohne Ausreisegenehmigung zwischenzeitlich verlassen hatte, war er zuvor zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Im Juni 1964 wurde er dann zu lebenslanger Haft verurteilt – wegen »Terrors, kommunistischer Aktivitäten und des Versuchs, die Regierung zu stürzen«. Seine Erinnerungen an die Zeit auf Robben Island schrieb Mandela in seiner Biografie »Der lange Weg zur Freiheit« (»Long Walk to Freedom«) nieder. Seinen Peinigern vergab er, mit seinem weißen Wärter freundete er sich an.

1982 verließ Mandela Robben Island, aber er wurde nur verlegt. Im Pollsmoor-Gefängnis zog er sich 1988 eine Lungentuberkulose zu, doch besserten sich auch jet

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