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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2013
Schutzschirm der Seele
Was uns die Kraft gibt, immer wieder aufzustehen
Der Inhalt:

»Das ist nicht mehr das Land, das ich von früher kenne«

von Gesa Wicke vom 13.09.2013
Mansour Ismaiel lebt seit über acht Jahren in Bremen. Vor Kurzem reiste der 29-Jährige selbst nach Syrien, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Was er dort sah, hat ihn tief getroffen

Das ist nicht mehr das Land, das ich von früher kenne«, sagt Mansour Ismaiel. »Die Menschen haben ihre Würde verloren, ihr Leid ist riesig.« Seine Stimme ist ruhig, als er das sagt, fast ein wenig ungläubig klingt er – so als könne er selbst noch nicht fassen, was er in den vergangenen Tagen gesehen hat. »Ich hatte Elend und Verzweiflung erwartet. Doch das alles mit eigenen Augen zu sehen übersteigt sämtliche Vorstellungen.« Mansour Ismaiel lebt seit über acht Jahren in Deutschland. Der 29-Jährige kam mit einem Stipendium des syrischen Bildungsministeriums nach Bremen, um Englisch und Germanistik zu studieren. Heute schreibt er an seiner Doktorarbeit und untersucht darin, wie deutsche Medien über den Krieg in Syrien berichten.

Auch Mansour hat den Bürgerkrieg in den vergangenen Jahren vor allem über die Medien verfolgt, über Facebook und Twitter. Telefonate mit seiner inzwischen in die Türkei geflohenen Familie sind nur selten möglich. »Aus der Ferne ist es schwierig, verlässliche Informationen zu bekommen«, sagt er. »Deshalb habe ich beschlossen, selbst nach Syrien zu reisen, mir ein eigenes Bild zu machen. Ich wollte meine Familie wiedersehen, mein Elternhaus. Denn sollte Assad den Krieg gewinnen, wird das für lange Zeit unmöglich sein.«

Der Doktorand gilt als Regimegegner, war bei seinem letzten Syrienbesuch 2008 von der politischen Polizei kurzzeitig verhaftet worden. Den »Ruf des Landes« soll er beschädigt haben, heißt es in einem Schreiben der syrischen Botschaft in Berlin. Im Internet hatte Mansour Bilder und Videos von Demonstrationen und Ausschreitungen verbreitet, hatte sich gegen religiösen Fanatismus und für eine friedliche Revolution ausgesprochen. Die syrische Regierung streicht ihm daraufhin sein monatliches Stipendium und droht mit einer Gefängn44%isstrafe, sollte er versuchen, erneut einzureisen. »Dass die Lage derzeit so unübersichtlich ist, war ein Vorteil für mich«, sagt Mansour. »An der türkisch-syrischen Grenze wird kaum kontrolliert, das macht es leichter, unerkannt ins Land zu gelangen.«

Mansour fliegt in die Türkei, macht kurz vor der syrischen Grenze Zwischenstopp im Flüchtlingslager Karkamis, wo seine Eltern und die zwölf Geschwister leben. Es sind schmerzliche Momente, die er dort durchlebt. »Manchmal fühle ich mich wie eine traurige Figur in einem Roman über Krieg und Sehns

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