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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

Militärseelsorge in der Kritik

von Micha Heitkamp vom 07.09.2012
Die Landeskirche in Baden diskutiert über Krieg und Frieden

Kann ein Militäreinsatz aus christlicher Sicht gerechtfertigt sein? Darüber wird in den Kirchen schon lange diskutiert. Die EKD-Denkschrift »Aus Gottes Frieden leben, für gerechten Frieden sorgen« von 2007 vertritt eine »vorrangige Option für Gewaltfreiheit«, die jedoch den Einsatz von militärischer Gewalt unter klar definierten Bedingungen legitimiert. Diese Haltung wird von vielen Friedensaktivisten an der Kirchenbasis kritisiert. Im Frühjahr 2013 könnte sich den Kritikern auch die Evangelische Landeskirche in Baden anschließen.

Anlass ist eine Eingabe des Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald. Darin wird eine Neuorientierung der evangelischen Friedensethik an den biblischen Kernaussagen des christlichen Glaubens gefordert. Pfarrer Udo Grotz leitet im Kirchenbezirk den AK Frieden, aus dem die Idee der Eingabe stammt. Grotz: »Wir wollen mit der Eingabe eine neue Diskussion beginnen und die pazifistische Position innerhalb der EKD stärken.«

Der Eingabe folgend gründete die Landeskirche eine Arbeitsgruppe. Die hat einen Entwurf für ein Positionspapier formuliert. Darin werden die militärischen Interventionen westlicher Bündnisse in Jugoslawien, im Irak, in Afghanistan und Libyen kritisiert. Die Ergebnisse dieser Interventionen zeigten, »dass sie die menschenrechtliche Problematik nicht zu lösen vermögen, sondern eher noch verschärfen«. Bei den Einsätzen müsse das Eigeninteresse der westlichen Staaten wie Erdöl, Rohstoffe und Sicherung der eigenen Macht hinterfragt werden.

Kritik gibt es auch an deutschen Rüstungsexporten: »Unsere Volkswirtschaft – und mit ihr die Kirchen – profitiert von Gewalt und Krieg.« Daraus ergibt sich die Forderung nach einem Verbot für den Export von Kriegswaffen ohne Ausnahme. Ebenfalls kritisiert wird die neue Strategie der Bundeswehr, die sich von einer Verteidigungsarmee in eine Interventionsarmee transformiere. Die kirchenpolitisch brisanteste Forderung ist die deutlichere Unterscheidung von staatlichem und kirchlichem Handeln. Dieser Bereich betrifft auch die Seelsorge an Soldaten.

In Deutschland gibt es zurzeit 104 evangelische Militärpfarrämter. Udo Grotz fordert, diese Seelsorge solle in den Kirchengemeinden stattfinden: »Die Nähe von Kirche und Militär ist viel zu eng, da muss ein Rückzug stattfinden.«

In der Landeskirche wird das Positionspap

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