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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

»Das geheime Erfolgsrezept«

von Christian Boldt vom 07.09.2012
Warum viele gerne über Korruption reden, kriminelle Praktiken von Unternehmen aber lieber verschweigen. Fragen an den Wirtschaftskriminologen Hans See

Herr See, Sie untersuchen seit vielen Jahren Wirtschaftsverbrechen. Von der Diskussion über wachsende Korruption in Deutschland sind Sie aber nicht begeistert. Warum nicht?

Hans See: Die Medien vermitteln den Eindruck, dass das Problem einzig bei bestechlichen Parteien, Politikern und Beamten liegt. Nur diesen wird Gesetzestreue abverlangt. Wer Korruption bekämpfen will, muss aber die Wirtschaftskriminalität, muss die Praktiken der Gesetzesbrecher in den Chefetagen bekämpfen. Sie betreiben Bestechung und Vorteilsgewährung großen Stils, stehen aber außerhalb der Kritik.

Aber all das wird doch als Korruption bezeichnet?

See: Ich habe Leute getroffen, die argumentierten, dass Mütter schon ihre Kinder korrumpieren, damit diese tun, was sie eigentlich nicht wollen. Ich warne: Mit einem derart weit gefassten Korruptionsbegriff kann man alle Zwischenmenschlichkeit, sogar Nächstenliebe, als korrumpierendes Verhalten denunzieren. Man muss Leuten, die so irreführende Begriffe benutzen, erklären, dass die juristischen Begriffe Bestechung und Bestechlichkeit, Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme heißen und so definiert sind, dass sie justiziabel bleiben.

Wenn Sie den Begriff Korruption als schwierig empfinden, wovon sprechen Sie?

See: Business Crime Control spricht von Wirtschaftskriminalität. Wir unterscheiden zwischen legaler und krimineller Ökonomie, fügen allerdings hinzu, dass auch die legalisierten Formen des Wirtschaftens eine tödliche Gefahr für Mensch und Natur, Demokratie und Kultur sein können. Das ermöglicht die Weiterführung der politischen Diskussion, die doch unbedingt darum gehen muss, was eine Demokratie der Wirtschaft erlauben darf und was sie ihr unbedingt verbieten muss. Anders können kritischere Bewusstseinsformen und ein gerechteres Recht nicht zustande kommen.

Wie stehen Sie zu den Korruptionsvorwürfen an Länder wie Griechenland, Spanien oder auch an Dritte-Welt-Länder?

See: Hier wird gerne als Korruption gesehen, was wir »Vitamin B« nennen: Beziehungen. In diesen Gesellschaften ist der Zerstörungsgrad familiärer Bindungen und nachbarschaftlicher Verhältnisse noch nicht so katastrophal wie in hoch entwickelten, auf reine Geldbeziehungen reduzierte Zen

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