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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

Buch des Monats: Fallen im Cyberspace

von Norbert Copray vom 24.08.2018
Wie und weshalb das Internet unser Leben verändert

Mary Aiken
Der Cyber-Effekt
Wie das Internet unser Denken, Fühlen und Handeln verändert. S. Fischer. 555 Seiten. 22 €

Millionen Kinder sind in den Social Media aktiv. Das treibt die forensische Cyber-Psychologin Mary Aiken um. Deshalb hebt die irische Expertin in ihrem speziell für die deutsche Ausgabe vorangestellten Vorwort ihres Buches »Cyber-Effekt« die Sorge um Kinder und Kindheit hervor. Sie sieht in der Digitalwelt eine völlig unterschätzte Gefahr für Kinder, weil sie diese wegen des ungefilterten Zugangs zu allen Wirklichkeiten, Virtualitäten und menschlichen Abgründen physisch, psychisch und intellektuell überfordere. Doch das gilt auch für Erwachsene – das ist der Hauptinhalt des Buches, in dem Aiken zeigt, »wie das Internet unser Denken, Fühlen und Handeln verändert«.

Aiken untersucht systematisch kriminelle Handlungen im Cyberspace, dem digitalen Raum. Sie ist außerordentliche Professorin am Geary Institute for Public Policy University College Dublin, Beraterin beim European Cyber Crime Centre von Europol. Ihr Vorwurf wiegt schwer: Digitalangebote egal welcher Art sind ihrer Ansicht nach »für die Sucht entworfen« und zielen auf unsere »psychologische Achillesferse«. Aiken bezieht sich auf die Forschungen des Neurobiologen Jaak Panksepps an der Washington State University. Wesentliche Instinkte und Antriebe des Menschen sind in seinen ältesten Gehirnregionen verankert. Sie sind wichtig fürs Überleben und die Anpassungsfähigkeit. Doch der Reiz des Suchens und Findens – ihn haben Journalisten, Polizisten und Wissenschaftler zum Beruf gemacht – kann im Cyberspace zur Falle werden. Die schnelle Belohnung des Erkundungstriebes durch das digital Gefundene verstärkt den Drang zur Suche nach Neuem – bis zur Sucht. Das Gefundene selbst reizt auch zu neuer Suche, zu neuer Vernetzung. So ist das Internet aufgebaut. Es wird unwiderstehlich. Menschen erliegen ihm, starren mehr auf das Smartphone, als sie die eigenen Kinder oder den Partner anschauen.

Aiken bettet in angelsächsischer Manier Informationen und Reflexionen in Beispiele und eigene Erlebnisse ein. Sie vermittelt zahlreiche neue Cyber-Sachverhalte und Begriffe der Cyber-Psychologie bis ins »Dark Net« (vgl. Publik-Forum 2/2018, S. 56: »Digitale Müllabfuhr«). Ihr Buch ist nicht so alarmistisch wie Manfred Spitzers »Cyberkrank!« (Droeme

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