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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

VORGESPRÄCH: Stürme, Flut und Beben

von Eva Bucher vom 29.08.2014
Was sagt der Umgang mit Naturkatastrophen über eine Gesellschaft? Fragen an Christoph Lind, den Organisator der Mannheimer Ausstellung »Von Atlantis bis heute«

Publik-Forum: Was ist »Atlantis«?

Christoph Lind: Atlantis – das versunkene Inselreich, von dem der griechische Philosoph Platon berichtet – steht für einen großen Katastrophenmythos. Spannenderweise wurde diese Erzählung vom Untergang einer Zivilisation dann später zu einer Utopie: Der Begriff Atlantis ist heute positiv besetzt. Viele Freizeitbäder heißen so und die riesige Urlaubsinselanlage vor Dubai.

Was kann man in Ihrer Ausstellung sehen?

Lind: Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis, Überschwemmungen und Stürme: Die Präsentation führt bekannte und weniger bekannte Katastrophen der Weltgeschichte vor Augen. Sie zeigt die Auslöser und Folgen und wie die Menschen in den unterschiedlichen Jahrhunderten und Kulturen auf die Naturgewalten reagiert haben. Im Mittelpunkt steht dabei der menschliche Umgang mit diesen Phänomenen.

Was erfährt man dabei?

Lind: Was als Katastrophe wahrgenommen wird und was nicht, hängt von der Interpretation durch den Menschen ab. Ein Erdbeben in der Arktis beispielsweise wird nicht als Katastrophe für die Tiere empfunden, weil dort keine Menschen leben. Man hat immer versucht, Katastrophen als Zeichen zu deuten und umgekehrt durch Zeichen in der Natur Katastrophen vorherzusehen. Dazu wurden technische Geräte erfunden, etwa das Astrolabium in Marrakesch, das im 13. Jahrhundert zur Positionsbestimmung der Sterne genutzt wurde. Das kann man in der Ausstellung sehr schön sehen.

Ist das als Zivilisationskritik zu verstehen?

Lind: Nein. Die Zivilisation entwickelt immer wieder hilfreiche Strategien, um mit Katastrophen umzugehen. Damit sind nicht nur Einrichtungen wie das Technische Hilfswerk oder das Deutsche Rote Kreuz gemeint. Auch die sozialen Medien entwickeln neue Möglichkeiten: Beim Erdbeben in Haiti wurden die Standorte von Hilferufen per Handy an einen Datendienst übertragen. Gleichzeitig beleuchten wir auch den problematischen Aspekt: Technik kann dazu führen, dass wir der Fiktion erliegen, das Risiko ließe sich vollständig in den Griff bekommen. Das führt zu einer Verdrängung der Gefahr. Das sieht man bei sogenannten Natech-Katastrophen wie in Fukushima: Sie werden durch Natur ausge

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