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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

Plötzlich Löcher im Garten

von Silviu Mihai vom 29.08.2014
Rumänien: Klammheimlich bohrt der US-Konzern Chevron im Einklang mit der Regierung nach Schiefergas. Doch sie haben ihre Rechnung ohne die betroffenen Menschen gemacht

Elisabeta Preda ist außer sich. Als die 56-jährige Bäuerin vor ein paar Monaten Feuerholz für den Winter holte, merkte sie, dass jemand auf ihrem Grundstück kleine Löcher gebohrt hatte. »Plötzlich lagen jede Menge Kabel rum, vom Waldrand über den Hügel und quer durch meinen Hinterhof«, erzählt die dreifache Großmutter. Die Löcher waren gekennzeichnet mit roten, blauen oder weißen Fähnchen, und in jedem Loch steckte ein dünnes verkabeltes Rohr. »So etwas habe ich noch nie erlebt. Dass man auf meinem Grundstück irgendwelche Anlagen baut, ohne mich zu fragen oder zu informieren.«

Als Preda gleich nach dem eigentüm lichen Vorfall zum Rathaus eilte, um dort ein paar Fragen zu stellen, war der Bürgermeister von Bacesti nicht zu sprechen. Auch in den nächsten Tagen und Wochen konnte niemand im ostrumänischen Dorf etwas über die merkwürdigen, aber immer häufigeren Funde erfahren. Mal waren die Kommunalpolitiker krankgeschrieben, mal hielten sie sich auf Zypern auf. Das fremde Arbeiterteam, das mehrmals von den Dorfbewohnern gesichtet wurde, konnte nur sagen, dass die Kabelverlegungen und Lochbohrungen im Auftrag der rumänischen Aktiengesellschaft Prospectiuni SA mit der Genehmigung des Bürgermeisters durchgeführt worden seien. Der verantwortliche Ingenieur sei allerdings nicht da.

Ähnlich wie viele ihrer Nachbarn entschied Elisabeta Preda, die unbefugte Nutzung ihres Grundstücks nicht länger zu dulden. Sie schnitt die Kabel an mehreren Stellen ab, entfernte die Fähnchen und drohte den Arbeitern mehrmals mit der Mistgabel. Eines Sonntags nach dem Gottesdienst erklärte der orthodoxe Priester den Menschen im Dorf, was er auf seiner Reise in die benachbarte Stadt Barlad erfahren konnte. Es handele sich um ein groß angelegtes Bohrprojekt des US-amerikanischen Konzerns Chevron, der nach Schiefergas sucht. Die Bohrarbeiten seien sehr gefährlich, es bestehe Gefahr für das in der Gegend ohnehin knappe Grundwasser.

Der Priester in Bacesti hatte recht. Die beunruhigenden Nachrichten, die er von seinem Dekan in Barlad erfahren hatte, bestätigten sich schnell und lösten in der ganzen Re gion eine Aufregung aus, mit der niemand gerechnet hatte. Der Dekan, Vater Vasile Laiu, lud unabhängige Experten auf mehrere Priestersitzungen ein, damit seine Kollegen und auch die Dorfbewohner endlich über die Vorgänge informiert werden. Nach me

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