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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

Friedens-Pilgerweg in der DDR

von Joachim Garstecki vom 24.08.2012
Trotz Stasi: Die erste Demonstration von kritischen Christen

25 Jahre sind es her, dass sich die evangelischen Kirchen in der DDR offiziell am »Olof-Palme-Friedensmarsch« für eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa beteiligten. Friedensorganisationen aus Österreich, der CSSR, der Bundesrepublik und der DDR hatten den Marsch für Herbst 1987 angeregt, um den Vorschlag der Internationalen Palme-Kommission von 1982 für einen »atomwaffenfreien Korridor« in Mitteleuropa zu unterstützen. Die Gefahr einer Konfrontation mit atomaren Mittelstreckenwaffen zwischen Nato und Warschauer Vertragsorganisation war noch nicht gebannt.

Der DDR-Kirchenbund nahm »in eigenständiger kirchlicher Verantwortung und mit eigenen Beiträgen« am Olof-Palme-Marsch teil, der offiziell vom »DDR-Friedensrat« organisiert war. Für die Kirchen bot sich die einmalige Gelegenheit, ihre seit 1982/83 formulierte »Absage an Geist, Logik und Praxis der Abschreckung« öffentlich ins Gespräch zu bringen und für das alternative Konzept der »gemeinsamen Sicherheit« zu werben.

Höhepunkt war ein ökumenischer Pilgerweg vom 2. bis 4. September 1987. Rund zweihundert Christinnen und Christen aller Konfessionen gingen mit, nördlich von Berlin, zwischen den ehemaligen KZs Ravensbrück und Sachsenhausen, singend, betend und diskutierend unter dem Zeichen eines schlichten Holzkreuzes. Ängste vor einer Vereinnahmung durch die SED erwiesen sich als unbegründet. Gegen die bunte Vielfalt und Fantasie der Pilger hatten die vom Friedensrat rekrutierten Berufs-Demonstranten argumentativ keine Chance. Nach anfänglichen sogenannten »Missverständnissen«, die Pilger zu verunsichern und ihre Transparente zu zerstören, mussten die Leute von der Stasi einsehen: Auch die »Freiheit der Andersdenkenden« gehört dazu und ist nicht mehr mundtot zu machen.

Ein breites christliches Themenspektrum kam unterwegs zur Sprache: von »Schwerter zu Pflugscharen« bis »Kein Wehrunterricht an den Schulen.« Dies geschah in Gottesdiensten und Friedensgebeten, auf Postern sowie bei ambulanten Streitgesprächen mit SED-Genossen. Menschen erlebten plötzlich eine andere Kultur des Friedens. Welch ein Erstaunen in den Dörfern, bei den zum Gruß angetretenen Bürgermeistern und LPG-Belegschaften, wenn sie über ihre eigenen Mikrofone mit Meinungen konfrontiert wurden, die eben noch im »Parteilehrjahr der

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