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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2012
Erotisches Begehren
Die Sehnsüchte der Menschen und die katholische Sexualmoral
Der Inhalt:

Klare Kante gegen Zinsen?

von Gunhild Seyfert vom 10.08.2012
Über Wirtschaftspolitik und -ethik diskutierten Juden, Christen, Muslime, Buddhisten und Hindus auf einer Tagung in Paderborn. Fazit: Es gibt manche Gemeinsamkeit, aber auch offene Fragen

Wer versagt in der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise? Sind es auch die Religionen? Diese Frage liegt drei Tage unausgesprochen und etwas bang in der Luft eines gediegenen, holzgetäfelten Hörsaals an der Universität Paderborn. »Wirtschaftsethik in den Weltreligionen« lautete das Thema einer großen Konferenz, bei der Vertreter von Christen- und Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus klären sollten und wollten, welche Werte sie vertreten im Umgang mit Geld, Wirtschaft und Umwelt.

Was verbindet und was unterscheidet dabei die fünf großen Religionen? Haben sie heute zur Wirtschaft überhaupt noch etwas zu sagen? »Alle sehen, dass Orientierung nötig ist«, sagt der katholische Theologe Klaus von Stosch, Tagungsleiter und Vorsitzender des Zentrums für Komparative Theologie und Kulturwissenschaft. Er hatte zu der Tagung eingeladen. Stosch fordert: »Die Religionen sollten gemeinsam an diesem Thema arbeiten.«

Und dabei gibt es wahrlich viel zu tun. Elisa Klapheck, Rabbinerin der liberalen Gemeinde in Frankfurt, erklärt, warum es im Judentum nur wenig konkrete Antworten gibt, wenn man heute ökonomische Fragen an ihre Religion stellt. »Es ist viel Zurückhaltung da, weil immer sofort die Verbindung Juden und Geld hergestellt wurde«, sagt die temperamentvolle 50-Jährige, die sich für eine Erneuerung der jüdischen Traditionen im Blick auf Politik und Gesellschaft einsetzt.

Grundsätzlich sei im Judentum »die Wirtschaft ein Instrument, uns Gott zu nähern und Gerechtigkeit durchzusetzen«. Nach jüdischem Verständnis habe Gott den Menschen die Welt wie einen großen Anfangskredit zur Verfügung gestellt. »Gott ist der erste große Gläubiger seiner Schöpfung, wir alle sind seine Schuldner«, spielt Klapheck auf die Schuldenkrise an. Im Hebräischen bedeute »Ich bin verschuldet« zugleich »Ich bin verpflichtet«.

Welche Rolle spielt dabei das jüdische Zinsverbot? Wie ist es heute zu interpretieren? Lese man genauer in der Thora und im Talmud nach, dann stelle man fest, dass es kein absolutes, sondern nur ein relatives Zinsverbot gebe, überrascht die Rabbinerin ihre Zuhörerinnen und Zuhörer. »Meinem Bruder, der in Not geraten ist, soll ich ein zinsloses Darlehen geben. Und meinen Nächsten soll ich keine Zinsen zahlen. Mit der Familie soll man keine Geschäft machen.« Aber mit Leuten, die weniger nahestehend sind, dürften selbstvers

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