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Literaturtipp: Die Mitternachtsreise
Nachtzug durchs Leben

In »Die Mitternachtsreise« schickt Matt Haig seinen Protagonisten auf eine letzte Reise durch Erinnerung, Liebe, Verlust und all das, was Menschen oft erst zu spät verstehen.
von Daniela Ordowski vom 24.06.2026
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Roman. Matt Haigs neuer Roman »Die Mitternachtsreise« beginnt im Tod und landet sehr schnell bei den großen Fragen des Lebens: Was bleibt? Was wurde versäumt? Und welcher Moment hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Sein Protagonist Wilbur Budd stirbt mit 81 Jahren und wacht im Mitternachtszug auf. An seiner Seite sitzt Agnes Bagdale, eine verstorbene Buchhändlerin mit Sinn für Ordnung, Bücher und feinen Spott. Gemeinsam reisen sie zu den prägenden Stationen seines Lebens: in die Kindheit im Nachkriegsengland, zu seiner großen Liebe Maggie und den Momenten, in denen ein Mensch sich langsam selbst verliert. Das klingt nach schwerem Stoff. Doch Haig schreibt leicht, warm und mit trockenem Humor. Wilbur steht im Jenseits plötzlich wieder in den Schlaghosen seiner Jugend da, Agnes organisiert die Ewigkeit mit der Geduld einer leicht genervten Zugbegleiterin, und zwischen existenziellen Fragen geht es immer wieder um Musik, Buchläden und die seltsamen Dinge, die einem ein Leben lang im Gedächtnis bleiben. Die Mitternachtsreise liest sich wie eine nächtliche Fahrt durchs eigene Erinnern. »Welche Ironie, dass man nur einen Augenblick braucht, um zu sterben, aber ein ganzes Leben, um zu verstehen, wie man lebt.« Dieser Gedanke liegt über dem ganzen Roman. Und wenn Maggie sagt: »Es bricht mir das Herz. Aber manchmal muss einem das Herz brechen, damit man am Leben bleibt«, dann steckt darin all die Zärtlichkeit und Traurigkeit dieses Buches. Matt Haig, der mit »Die Mitternachtsbibliothek« weltweit Millionen Menschen erreicht hat, erzählt auch hier von Reue, zweiten Chancen und der Sehnsucht, das eigene Leben irgendwann wirklich zu begreifen. Wieder gelingt ihm ein Buch, das aufmerksamer macht für die Menschen und Momente, die sonst so leicht vorbeiziehen.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 12/2026 vom 26.06.2026, Seite 54
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