Kinotipp: Das Sommerbuch
Der leise Trost des Sommers
Kino. Drei Menschen kommen mit dem Boot auf ihrem kleinen Sommerparadies an, einer Schäreninsel im finnischen Meer. Dort, in einem einfachen Holzhaus, will die Familie wie jedes Jahr die Ferienmonate verbringen. Die neunjährige Sophia ist aufgeregt, ihr Vater und ihre Oma still und bedrückt. Unausgesprochene Trauer liegt in der Luft. Fundstücke erzählen von der Abwesenheit eines geliebten Menschen, über den niemand spricht. Überhaupt wird in diesem stimmungsvollen Drama wenig geredet. Der Vater flüchtet an den Schreibtisch und in seine Arbeit als Illustrator. Die alte Frau nimmt ihre Enkelin unter ihre Fittiche, lässt sie in ihrem Bett schlafen, und macht, auf Krücken humpelnd, mit dem wissbegierigen Mädchen Streifzüge über Stock und Stein. Im silbernen Ostseelicht und in den hellen Nächten gibt es viel zu entdecken: merkwürdig geformte Felsen, einen Zauberwald, das Atmen des Meeres. Die Autorin der Romanvorlage dieses Films, Tove Jansson, durch die Mumins-Kinderbücher weltbekannt, verbrachte selbst bis zu ihrem Tod die Sommermonate auf einer finnischen Insel. Der Verfilmung gelingt es, Sophias kindliche Neugier und Freude über die kleinen Naturwunder spürbar zu machen, aber auch ihren Schmerz und ihre plötzliche Wut über den Tod ihrer Mutter. Heimlicher Star ist jedoch Glenn Close als unkonventionelle Greisin mit dritten Zähnen und Lust auf Zigaretten. Von Sophia mit Fragen gelöchert, gibt die Oma praktische Lebensweisheiten preis und erweist sich als so rebellisch wie die Enkelin. Der Film wechselt zwischen der Beobachtung von Flora und Fauna, nicht ganz ungefährlichen Abenteuern und zärtlichen Gesten. Dieses leise Drama ist eine bezaubernde Meditation über Abschied, Trauer und den Trost der Natur.

