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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

»Überfälle sind normal«

von Johannes Dieterich vom 26.06.2015
Sozialprotokoll: Zakaria (25) floh von Somalia nach Südafrika. In Johannesburg betreibt er ein Lebensmittelgeschäft. Doch er fürchtet um sein Leben

Neulich war es wieder so weit. Ich sah eine Menschenmenge auf meinen Laden zukommen und dachte schon: Jetzt ist es zu spät. Zum Glück sperrte die Polizei dann doch noch rechtzeitig die Straße ab, und die Leute verzogen sich wieder.

Nicht immer kann ich auf die Hilfe der südafrikanischen Ordnungshüter setzen. Als ich die Polizei beim letzten Überfall im Januar anrief, sagten sie, sie hätten kein Fahrzeug. Sie kamen erst, als ich ihnen tausend Rand versprach. Ich konnte gerade noch alle Waren aus meinem Laden in Soweto, einem Stadtteil von Johannesburg, auf Pick-ups packen und in Sicherheit bringen – dann kam die Meute und wollte den Laden plündern. Obwohl sie wussten, dass ich ausgeräumt hatte, brachen sie die Mauern mit Eisenstangen auf, um nachzuschauen, ob auch wirklich nichts mehr da war. Das Geschäft eines Freundes von mir haben sie vollkommen leergeräumt und angezündet. Er selbst wäre beinahe verbrannt!

Leider sind wir Somalier hier in Südafrika solche Angriffe gewohnt. Meistens sind es ganz normale Raubüberfälle: Ich selbst wurde in den vergangenen fünf Jahren schon 17 Mal ausgeraubt, meist mit an den Kopf gehaltener Pistole. Wenn wir uns wehren, wie vor Kurzem ein Landsmann von mir, ist die Hölle los: Hunderte von Südafrikanern ziehen dann durch die Straßen von Soweto oder anderen Schwarzensiedlungen in Südafrika und jagen alle, die sie »Kwerekwere« nennen – das heißt »Leute, die komische Sprachen sprechen«.

Wir Somalier sind für die Südafrikaner leicht zu erkennen, weil wir hellere Haut haben. Sie sagen, wir nähmen ihnen die Jobs und die Frauen weg. Unsere Botschaft in Pretoria sagt, dass in den vergangenen 15 Jahren mehr als 700 Somalier hier umgebracht wurden. Bislang wurde kein einziger Täter wegen Mordes verurteilt.

Als ich mich vor sieben Jahren von Somalia aus auf den Weg nach Südafrika machte, ahnte ich nicht, was mich erwartete. Eine Cousine von mir, die in Kanada wohnt, riet mir, hierher zu kommen. In Mogadischu konnte ich nicht bleiben: Da war gerade der Krieg zwischen den Islamisten und den äthiopischen Invasionstruppen ausgebrochen. Die Universität, an der ich Informatik studierte, machte zu, genauso wie die Privatschule, an der ich Englisch unterrichtete. Ich wollte nicht weg, aber nur zu Hause rumsitzen – ohne Arbeit, ohne Geld?

Es dauerte mehr als zweieinhalb Jahre, bis ich von Mogadischu nac

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