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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

Erkenntnis aus dem Schweigen

von Norbert Copray vom 26.06.2015
Buch des Monats: Wege zur Überwindung des dualistischen Denkens

Richard Rohr
Stille und Mitgefühl
Gott und den Menschen finden. Herder.
122 Seiten. 12 €

Vor zwei Jahren trafen sich Juden, Christen, Muslime, Hindus und Buddhisten zu einem »Fest der Religionen« in Louisville, Kentucky. Darunter war auch der Franziskaner Richard Rohr, Gründer des »Zentrums für Aktion und Kontemplation« in New Mexico/USA, der weltweit nicht nur als Bestsellerautor, sondern auch als eine prophetisch inspirierende Gestalt der religiös-spirituellen Szene wahrgenommen wird. In seinem neuen Buch »Stille und Mitgefühl«, das zum großen Teil auf seine Vorträge beim »Fest der Religionen« zurückgeht, erinnert er an das Zweite Vatikanische Konzil. Was bedeutet es, fragt Rohr, wenn damals bereits formuliert wurde, dass alle Völker eine einzige Gemeinschaft bilden, desselben Ursprungs seien – mit Gott als Zielpunkt. Rohr ruft ins Gedächtnis, dass die katholische Kirche nichts von alldem ablehne, »was in diesen Religionen wahr und heilig ist«. Und er lässt Augustinus zu Wort kommen, der anno 390 schrieb: »Was wir heute Christentum nennen, fehlte unseren Vorfahren nicht, von den Anfängen der Menschheit bis zu der Zeit, da Christus im Fleisch erschien. Danach wurde die wahre Religion, die immer schon existiert hatte, Christentum genannt.«

Rohr zeigt eingangs, dass es eine »ewige Weisheitstradition«, eine »ewige Philosophie« gibt, die sich auf die innere göttliche Wahrheit der Dinge, der Lebewesen, des Geistes, der Seele, des Seins bezieht. Sie ist aber nicht einfach inmitten der Spaltungen und Dualismen zu erkennen, sondern bedarf eines einigenden, nichtdualen Bewusstseins: »auf der Ebene der Personen und Beziehungen, auf gesellschaftlicher, politischer und kultureller Ebene, im interreligiösen Dialog und vor allem auf der Ebene der Spiritualität«. Dabei darf die Einheit nicht mit Einheitlichkeit verwechselt werden, denn die Versöhnung der Verschiedenheiten gibt es nur auf der Basis der Differenzen. Wer sich dazu auf den Weg macht, wird erfahren, dass »Gott in der Tiefe des Schweigens« zu finden ist, das dem Reden vorausgeht und nachfolgt, die Worte umhüllt und essenziell macht. Denn »Schweigen ist eine Form der Ganzheit. Es kann Gegensätze aufsaugen, Paradoxa und Widersprüche auflösen«.

Um zwei Arten des Schweigens geht es: um »das natürliche, erfrischende Schweigen eines introvertierten Menschen oder während ei

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