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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2014
Fulbert Steffensky: Spiritualität
Warum ich das Wort nicht mehr hören kann
Der Inhalt:

Aufgefallen
Der Unbequeme

von Tanja Tricarico vom 27.06.2014
Gerd Müller, den Entwicklungsminister, kannte bis vor Kurzem kaum einer. Doch der CSU-Politiker macht inzwischen immer mehr von sich reden

Es ist nicht viel, was sie dem hohen Besuch aus Deutschland zeigen können. Drei Räume hat das karge Steinhaus der elfköpfigen Flüchtlingsfamilie aus Syrien. Teppiche sind ausgelegt, in der kleinen Küche stapeln sich Teller und Tassen. Die Flucht in das Nachbarland Jordanien ließ ihnen keine Zeit. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) schüttelt dem Vater die Hand, streicht der Tochter über den Kopf. In Mafraq an der syrischen Grenze hat ein Jordanier ihnen eine neue Heimat gegeben. Eine Geste, ein Zeichen für den Minister, dass Hilfe manchmal so einfach sein kann.

Es sind Szenen wie diese, von denen Müller in seinen Reden im Deutschen Bundestag, bei Auftritten vor Hilfswerken, Sozialverbänden und Kirchen berichtet. »Unterstützung muss unbürokratisch und schnell bei den Menschen ankommen«, sagt der 58-Jährige. Die Erwartungen sind hoch nach solchen Sätzen. Nicht nur seitens der Opposition, sondern auch von Nichtregierungsorganisationen.

Für viele war die Ernennung Müllers zum Entwicklungsminister eine Überraschung. Den Fachbeamten aus dem Landwirtschaftsministerium, für das der studierte Lehrer acht Jahre lang als Parlamentarischer Staatssekretär gearbeitet hat, kannte kaum jemand. Jetzt bereist der zweifache Vater die Krisenherde der Welt. Doch ein Reiseminister, wie sein Vorgänger Dirk Niebel (FDP) manchmal spöttisch bezeichnet wurde, will er nicht sein. Effizienz ist ihm wichtiger, sagt er. Und dass die Menschen genau hinschauen, wenn sie über Staaten sprechen, die meist nur über Kriege, Gewalt und Terror ihren Weg in die Medien schaffen. »Afrika ist ein Chancenkontinent«, sagt Müller. Dieses Potenzial werde noch viel zu wenig genutzt.

Der CSU-Politiker gilt als Querdenker. Als ein Mann, der in Nigeria das Besuchsprogramm in letzter Minute umwirft, weil er mehr Zeit mit den Initiatoren der Bring-Back-Our-Girls-Initiative verbringen will. Er gilt als einer, der auf Details bei den Hilfsprojekten achtet, akribisch Unterlagen wälzt, ganz gleich, ob er sich mit dem Chef der Weltbank oder Unterstützern einer Impf-Kampagne trifft. Einer, der nach dem letzten Arbeitstermin lieber zu Fuß nach Hause geht, damit er nicht den Kontakt zum wahren Leben verliert.

Seine Politik will verändern. Nicht nur in Afrika oder Syrien. Auch den eigenen Konsum. »Es kann nicht sein, dass wir Sch

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