in grosser gefahr
Auf den ersten Blick wirkt alles sehr protestantisch: Das Zentrum der Bahá’í in Köln ist schnörkellos und sehr praktisch ausgerichtet. Kein Schmuck an den Wänden, kaum Bilder, ein einfacher Kelim auf dem Boden, in einem Kreis Stühle und in der Mitte lediglich ein Tisch, auf dem eine Kerze brennt. Zum Neunzehntagefest, dem ersten Tag des Bahá’í-Monats, hat sich die Kölner Gemeinde, die insgesamt rund hundert Mitglieder zählt, in ihrem Zentrum in der Kölner Südstadt versammelt. Das religiöse Jahr der Bahá’í beginnt mit der Tag-und-Nacht-Gleiche am 21. März und gliedert sich in 19 Monate zu 19 Tagen. Jeder Erste des Monats ist ein Festtag, eben das Neunzehntagefest, das gleichzeitig Herzstück des Gemeindelebens ist. Es teilt sich auf in drei Teile: eine Andacht, die Beratung wichtiger Angelegenheiten der Gemeinde und einen geselligen Teil. Die Bahá’í verwalten sich selbst und wählen in demokratischer Wahl regelmäßig auf lokaler und nationaler Ebene sogenannte »Geistige Räte«. Da sie kein Priestertum kennen, stellt irgendein Gemeindemitglied für die Andacht Texte zu einem Thema wie Glück oder Frieden zusammen, die gemeinsam gelesen werden. Diese Texte stammen beim Neunzehntagefest aus den Bahá’í-Schriften, grundsätzlich werden bei der Andacht aber auch Textstellen aus Bibel, Koran und der Bhagavad-Gita gelesen, denn die Religion der Bahá’í versteht sich als ein Glaube, der Christentum, Judentum, Islam und andere in sich aufgenommen und vervollständigt hat. Diesem internationalen Anspruch tut auch die Tatsache keinen Abbruch, dass der Religionsstifter Iraner war und sich zahlenmäßig viele Iraner unter den Gläubigen finden. Man fühle sich als Deutsche, nicht als Fremde hier, sagt Gabriele Scharnhorst, die vor über fünfzehn Jahren zum Bahá’í-Glauben konvertierte. In Deutschland hat die Bahá’í-Gemeinde, die von einem deutsch-amerikanischen Zahnarzt im Jahre 1905 begründet wurde, 5000 Anhänger, weltweit sind es 5,5 Millionen. Heute leiden sie im Iran unter brutaler Verfolgung. Warum?
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