Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2013
Die Weisheit des Körpers
Wie wir lernen, unseren Gefühlen zu vertrauen
Der Inhalt:

Wie eine große Familie

von Maria Haberer vom 31.05.2013
Bürgerverein organisiert Hilfe für russische Kinder

»Bevor es uns gab, ist die Polizei jede Stunde einmal durch unsere Siedlung gefahren, die Drogenszene war dort und überall Gewalt«, erzählt Natalie Reuer. Sie ist Vorsitzende des Bürgervereins »Oberer Steinberg« in Nagold und Leiterin des Integrationsprojektes für Zuwandererkinder aus Russland. Seit 22 Jahren ist sie hier. Sie kam mit ihrem deutschstämmigen Mann aus Kasachstan nach Nagold, einem Ort in Baden-Württemberg. »Wir hatten damals einen leeren Kühlschrank und nichts anzuziehen«, sagt die Grundschullehrerin mit russischem Akzent. Sie holt tief Luft. »Die Schule stellte mich nicht als Lehrerin, sondern als Putzfrau ein.«

Inzwischen leitet die 56-Jährige ein Integrationsprojekt für über hundert Kinder. Ungefähr siebzig Prozent der Bewohner dort kommen aus Russland. Das Projekt will die Heranwachsenden von den Straßen holen. Es bietet ihnen Sprachkurse und Betreuungsmöglichkeiten in der Freizeit an. Neben Tanz- und Malgruppen gibt es Computerkurse und Hausaufgabenbetreuung. Dort soll nur Deutsch gesprochen werden, auch wenn Natalie Reuer oft alles auf Russisch erklären muss.

Rund 200 000 Menschen aus der Russischen Föderation leben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland. Die meisten sind nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedervereinigung Deutschlands eingereist. Verbände und Initiativen deutschlandweit helfen ihnen. Der Bundesverband russischsprachiger Eltern zum Beispiel. Er setzt sich überregional für die Integration russischstämmiger Kinder ein, organisiert Elternkurse.

Natalie Reuer hat selbst Initiative ergriffen. Mit anderen Frauen hat sie 1996 in einer Ein-Zimmer-Wohnung für russischsprachige Kinder Hausaufgabenbetreuung, Nähkurse und Freizeiten organisiert. »Wir haben damals Ballen von einem Stoff geschenkt bekommen, und man konnte auf der Straße sehen, wer im Nähkurs war. Die meisten Kinder hatten dann nämlich die gleichen Hosen an«, lacht die freundliche Frau. Dann erzählt sie vom Entstehen des wichtigsten Hauses hier: des Bürgerhauses. Erst nach sechs Jahren wurde es eingeweiht. Gekommen waren da auch die Eltern, die es selbst geplant und eingerichtet haben.

Bis heute ist das Projekt auf sie und viele andere Freiwillige angewiesen. Wie die Leiterinnen, die hier ehrenamtlich arbeiten: Olga Sarabarina, die für die Malgruppe zuständig ist, oder Olesja Vegeli

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen