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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

In der Klugheit Jesu

von Norbert Copray vom 28.05.2010
Provokatives Plädoyer für ein erneuertes Christentum

Joachim Kunstmann Rückkehr der Religion Glaube, Gott und Kirche neu verstehen. Gütersloher Verlagshaus. 318 Seiten. 24,95 €

Ängstlich klammern sich noch etliche Christen an das kirchliche Lehrgebäude, ohne zu bemerken, dass es ein Leergebäude geworden ist: äußerlich anspruchsvoll, doch innerlich in seinen vermeintlichen Fundamenten erschüttert. Andere Christen haben diesem Gebäude den Rücken gekehrt, weil sie die lebendige religiöse Erfahrung suchen. Manche von ihnen irren herum zwischen Esoterik und Ersatzreligion, ohne jedoch zu finden, was sie suchen. Und dann gibt es Christen, für die das alte, Sicherheit versprechende Lehrgebäude unbewohnbar geworden ist, die sich mit ihrer religiösen Erfahrung alleingelassen fühlen, den spirituellen Ersatzgebilden aber misstrauen. Für alle diese Christen hat Joachim Kunstmann ein profundes, provokatives und perspektivenreiches Kompendium geschrieben – auf dem Weg zu einem verwandelten, klugen Christentum.

Der Professor für Religionspädagogik nennt ein Christentum klug, wenn es sich im Bewusstsein seiner Geschichte, seiner menschlichen Entstehungsbedingungen und seines notwendigen Realitätsbezugs selbstkritisch zeigt. Diese Art von Klugheit führt Kunstmann direkt auf das Verhalten und die Reden Jesu zurück, der selbst zur Religion und zum Glauben ein kritisches und zugleich konstruktives Verhältnis hatte.

Kunstmann diagnostiziert ein Christentum, das seinen religiösen Kern durch Rechtgläubigkeit, Kirchlichkeit und Ethik ersetzt hat, obwohl es doch im Kern auf eine »gelebte Religion« zielt: »Sein Zentrum hat es in der mystischen Erfahrung des nahen Gottes und in einer auf sie bezogenen spirituellen Theologie und Kirche, die nicht auf Normierung und Eingemeindung setzt, sondern auf Wege, den Menschen in die Wirklichkeit des Heiligen zu stellen.«

Von diesem Bezugspunkt her entwirft der Autor eine geharnischte, aber begründete Kritik heutiger Kirchlichkeit und Gemeinderealität, kirchlicher Routine und der »religiösen Erstarrung durch den Ausfall der religiösen Erfahrung«. Aus Jesus sei Christus geworden. Eine solche dogmatisierte Gestalt habe, gestützt auf Lehramt und Theologie, keine Inspirationskraft für den Alltag mehr.

Daher will Kunstmann »die heilsame Religion des Jesus als Quelle und Kern des Christentums« wiederentdecken. Er entwirft von

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