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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Die Waffe aus der Limousine

von Siegfried Pater vom 28.05.2010
Brasilianische Fischer sehen sich von Thyssen-Krupp bedroht

Luis Carlos Oliveira ist verzweifelt. Er ist einer von 8000 Fischern, die durch den Bau eines riesigen Stahlwerkes durch Thyssen-Krupp in der Bucht von Sepetiba – siebzig Kilometer von Rio de Janeiro entfernt – um ihre Existenzgrundlage gebracht wurden. Denn wo giftige Schlämme und andere Schadstoffe ins Meer geschwemmt werden, gibt es für Fische kein Überleben und für Fischer keine Existenzgrundlage mehr.

Der Hintergrund: Seit 2006 die Bauarbeiten für das neue Stahlwerk begannen, beklagen die Fischer einen Rückgang der Fangmengen um mittlerweile achtzig Prozent. Durch Baggerarbeiten wurden offenbar giftige Stoffe freigesetzt, die eine Vorgängerfirma dort abgesetzt hatte. Die Wasserqualität hat sich dadurch massiv verschlechtert.

»Wir wollen wieder in der Bucht von Sepetiba fischen können«, forderte Oliveira kürzlich während eines Besuches bei deutschen Brasilien-Solidaritätsgruppen. In seiner Heimat Brasilien verhallen ihre Appelle an die Konzernverantwortlichen und die örtlichen brasilianischen Behörden. Schlimmer noch: den um ihre Existenz kämpfenden Fischern wird nach dem Leben getrachtet.

Am 6. Februar vergangenen Jahres sei er aus einem Luxuswagen heraus von einem Mann mit einer Waffe bedroht worden, erklärt Oliveira: »Ich konnte den Mann, der mich bedrohte, bei einer Anhörung im Parlament von Rio de Janeiro eindeutig identifizieren: Es ist der Sicherheitschef des Stahlwerks von Thyssen-Krupp. Er war für kurze Zeit suspendiert und wurde dann wieder eingestellt.« Oliveira wurde aufgrund der Drohungen in das offizielle Zeugenschutzprogramm der brasilianischen Regierung aufgenommen. Nun muss er sich in seiner brasilianischen Heimat versteckt halten. »Ich lebe weit weg von meiner Familie in wechselnden Bundesstaaten und kann meinem Beruf nicht nachgehen.«

Anlass der Reise des brasilianischen Fischers war die Hauptversammlung von Thyssen-Krupp in Bochum. Mithilfe der kritischen Aktionäre und Aktionärinnen, die ihm ihre Stimmen übertrugen, konnte er auf der Hauptversammlung sprechen. Luis Carlos Oliveira verlangte in seiner Rede vor der Aktionärsversammlung die ökologische Wiederherstellung der Bucht von Sepetiba und eine Entschädigung für die Verdienstausfälle der Fischer, die vom Bau des Stahlwerkes von Thyssen-Krupp betroffen sind.

»Thyssen-Krupp beutet das hochwertige Erz aus

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