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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

»Der Kohlenpott atmet Zukunft«

von Christa Dommel vom 28.05.2010
Wie Kultur als neue Energie erlebt wird: Das Ruhrgebiet ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas. Die Region setzt auf vielfältige Begegnungen und ein verändertes »Wir-Gefühl«

Fahrt mit der Straßenbahn durch die Stadt Essen. Es ist die »Kulturlinie 107«. Auf einer Fahrt von 17 Kilometern kann man sich rund sechzig kulturelle Sehenswürdigkeiten und Einrichtungen zwischen Bredeney und Gelsenkirchen anschauen: Opernhäuser, einen Dom, die Philharmonie, zwei Museen und das Weltkulturerbe Zeche Zollverein. Jeder Fahrgast kann während der Fahrt beliebig ein- und aussteigen.

Zum Beispiel am unterirdischen Bahnhof »Viehofer Platz«. Dort ist an den Wänden zu lesen: »Kultur schafft Kommunikation.« Und: »Kultur enthält die Wahrheit unserer Geschichte.« Oder auch: »Der Schlüssel zur Kultur sind die Sinne des Menschen.« Daneben findet man Bilder in leuchtenden Farben, gemalt von jungen Leuten: über Industrie- und Jugendkultur, Religions- und Popkultur (siehe Fotos). Die Essener Verkehrs-AG hatte zusammen mit Storp9, dem Haus für Bildung und Kultur, Schülerinnen und Schüler der benachbarten Essener Schulen zur kreativen Gestaltung der Wände eingeladen. Früher wurden die Zugänge zum Bahnhof häufig durch Vandalismus beschädigt. Jetzt verwandeln sie sich zur Kunst im öffentlichen Raum. Darin drückt sich das Plädoyer für ein Kulturverständnis aus, dem zufolge Kultur nicht nur auf bildungsbürgerliche Kreise beschränkt ist und das konstruktiv mit dem Frust und der Resignation derjenigen umgeht, die sonst gerade nicht gemeint sind, wenn von Kultur die Rede ist.

Auch die 1986 stillgelegte Zeche Zollverein2001 zum Unesco-Welterbe und 2009 zur »besten Eventlocation Deutschlands« erklärt (laut Conga Award, dem Oscar der Eventbranche) – offenbart ihre Seele durch Verschlüsselung: als ein Ort, der die Erinnerung sinnlich erlebbar macht, ohne sie museumshaft wirken zu lassen. »Kultur verbindet die Menschen miteinander«: auch die Menschen, die heute hier leben, mit ihren Vorgängern. Die Schwärze der Kohle, der rußige Staub, der die Luft des Reviers verdüsterte und sich in allen Poren der Arbeiter festsetzte, sind in den Ausstellungen auf dem weitläufigen Gelände als Ahnung seltsam gegenwärtig.

Doch: »Das Ruhrgebiet atmet nicht mehr Staub, sondern Zukunft«, formuliert der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg. Die o

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