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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
Das Verschwinden der Freiheit
Der Sozialpsychologe Harald Welzer über die Bedrohung durch Google ...
Der Inhalt:

Editorial: Liebe Leserin, lieber Leser,

Als Theologiestudent in Paris wurde ich einmal von französischen Kommilitonen gefragt, ob ich den Satz des evangelischen Theologen Paul Tillich (1886-1965) erklären könnte: »Glaube ist das Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht.« Meine Sprachkenntnisse reichten nicht für eine befriedigende Übersetzung aus. Ergriffen sein ist etwas anderes als interessiert sein. Und das, was einen »unbedingt angeht«, ist etwas anderes als Zwang. Meine unbeholfenen Erklärungsversuche haben die Fragezeichen auf den Gesichtern eher vergrößert, aber Tillichs Satz hat mich in verschiedenen Lebenssituationen immer wieder eingeholt, privat und beruflich. Bei meinem ersten Termin für Publik-Forum konnte ich erleben, dass dieser Satz auch Atheisten bewegt, zumindest jene, die sich selbst als gottlos bezeichnen, aber die Form ihrer Zusammenkünfte Gottesdiensten nachempfunden haben. Christian Modehn hat für uns eine solche »Sunday Assembly« in Berlin besucht (ab Seite 26).

Der Vorwurf, dass die Religion die Freiheit des Menschen einschränke und ihn in seiner Entfaltung behindere, ist ein klassisches Argument der Religionskritik. Wer wollte bestreiten, dass dies viel zu oft vorgekommen ist und immer noch vorkommt? Zu fragen wäre allerdings, ob nicht das Internet mit seinen datenspeichernden Suchmaschinenkonzernen heute – zumindest in unserem Kulturkreis – die größere Gefahr für unsere Freiheit darstellt. Darüber spricht Brigitte Neumann mit dem renommierten Sozialpsychologen Harald Welzer (Seite 48).

»Damit wir klug werden« – so lautet das Motto des bevorstehenden Deutschen Evangelischen Kirchentags in Stuttgart. Ob es allerdings klug war, die Themenvorschläge vieler engagierte