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Ein leises Singen der Seele

von Lisa Laurenz vom 23.04.2010
Über die Spiritualität der Freude

Mal ist sie leise und behutsam, mal überschwänglich, ausgelassen oder ekstatisch. Freude ist eine Emotion, die wohl jeder, in unterschiedlichen Höhen und Tiefen, kennt. Wenn wir uns freuen, dann sind wir – zumindest für einen Moment – der Erdenschwere enthoben. Wir sagen: Ich könnte vor Freude in die Luft springen. Noch als Erwachsene erinnern wir uns manchmal gerne an frühe Momente der Freude. Der Kabarettist Eckart von Hirschhausen denkt dabei an seine Großmutter. »Wenn die mit uns Enkeln gewettet hat, dann war der Einsatz nicht fünf Mark oder eine Tafel Schokolade, sondern sie wettete immer um eine Freude. Und wir wussten nie genau, was es sein wird. Aber die Aufgabe desjenigen, der die Wette einlösen musste, war, wirklich eine Freude für den anderen zu finden.«

Die Freude ist uns allen vertraut, von Kindheit an. Davon ist die Theologin Annekatrin Hennenhofer überzeugt. Aber sie denkt, »dass wir unsere Freude im Laufe unseres Lebens ein wenig verlieren, weil wir ab einem bestimmten Alter unsere Biografie oft vom Schmerz her angucken. Ich glaube jedoch, dass im Laufe des Lebens gerade über einen spirituellen Weg die Freude wieder mehr und tiefer werden kann.«

Die Freude wird manchmal auch mit der Sonne verglichen, die eigentlich immer scheint, nur Wolken und Nebel können sie verdecken. Wenn die Freude auftaucht, nehmen wir sie häufig auch körperlich wahr. Der Puls wird schneller, der Atem tiefer. Die Augen leuchten, die Mundwinkel zeigen nach oben, der Mensch strahlt. Freude beflügelt und verwandelt.

Für viele Menschen ist die Natur eine große Quelle der Freude. Denn sie lässt spüren, dass es etwas gibt, was größer ist als vieles, was den Alltag sonst zu bestimmen scheint. Wenn man – auf welche Weise auch immer – mit diesem Größeren in sich in Berührung kommt, vermag das Innerste mit einem Gefühl von Glück und Freude zu reagieren. Andere Menschen, Musik oder kreatives Schaffen können größte Freudenquellen sein. Und es ist nicht nur die große Freude, die glücklich macht. Besonders die kleinen Freuden scheinen für die seelische Ausgeglichenheit wichtig zu sein. Freudige Momente sind kleine Oasen im Alltag. Die Psychoanalytikerin Verena Kast weist in ihren Büchern darauf hin, dass die Freude eine heilsame Quelle im Menschen ist. »Man fühlt sich in der Freude dem Leben gewachsen, man fühlt sich bedeutsam, ohne dass man bedeutsam sein muss. Das Gefühl des Einsseins m

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