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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2013
Unser Papst?
Der Inhalt:

Die Macht der Stille

von Josefine Janert vom 22.03.2013
Pfarrerin Andrea Richter lädt ein, im evangelischen »Zentrum Kloster Lehnin« christliche Spiritualität zu erleben

Sie atmet tief durch. Klare Frühlingsluft, der Himmel leuchtet blau und hoffnungsvoll. In der Ferne donnert ein Flugzeug vorbei. Dann ist es wieder still in Kloster Lehnin, einer Gemeinde mit 11 000 Einwohnern südwestlich von Berlin. Keine Autos, kein Mobiltelefon, kein Baulärm. Andrea Richter braucht die Stille. Über Ostern lädt die evangelische Pfarrerin nach Kloster Lehnin zu Exerzitien ein: fünf Tage Schweigen, gemeinsam die Auferstehung Jesu feiern. Sie schätzt Orte, an denen die Menschen Ruhe finden. »Die Seele kommt dann zu sich selbst«, sagt sie. Sie zitiert einen Satz des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer: »Es liegt im Stillesein eine wunderbare Macht der Sammlung, der Klärung und der Besinnung auf das Wesentliche.«

Andrea Richter ist Jahrgang 1959, eine Frau mit rotbraunem kurzen Haar und sehr wachen blauen Augen. Seit knapp einem Jahr ist sie die Beauftragte für Spiritualität der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Richter hat ihr Büro in der Hauptstadt. Ihr zweiter Arbeitsort ist Kloster Lehnin. Der Ort verdankt seinen Namen einem Kloster aus dem 12. Jahrhundert, erbaut von den Zisterziensern. Die Klosterkirche St. Marien und einige andere Gebäude sind erhalten. Eines beherbergt heute ein Museum.

Im Jahr 1911 erstand die Märkische Provinzialkirche das Klostergebäude und gründete ein Diakonissenmutterhaus. Zu DDR-Zeiten wurde es als Krankenhaus genutzt. Heute widmen sich die Angestellten der Betreuung von Kranken, Alten und behinderten Menschen. Auch ein Hospiz gibt es. Im vergangenen Sommer wurde auf dem Gelände das evangelische Zentrum Kloster Lehnin eingerichtet, in dem Andrea Richter tätig ist. Es dient der Aus- und Fortbildung von Seelsorgern. Gruppen aus Gemeinden, Pilger, Kirchenmusiker und viele andere Menschen sollen sich hier begegnen und die christliche Spiritualität kennenlernen.

Spiritualitätsbeauftragte – ein schwieriger Job in einer Zeit, da viele Menschen sich nach Spiritualität sehnen, aber nicht einmal in den christlichen Kirchen klar ist, wie diesen Bedürfnissen zu begegnen sei. Für Andrea Richter ist Spiritualität »die Weise, wie man im religiösen Sinne seinen Glauben lebt«. Gott inspiriere den Menschen, sagt sie und spricht von der Bedeutung des lateinischen Wortes »spiritus«: Geist, Hauch. »S

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