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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

Darf man Israel kritisieren?

vom 04.05.2012

Zu: »Überdenkt eure Theologie« (4/12)

Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie nun – eigentlich nach zu langer Zeit – eine prophetische Stimme aus Palästina zum Kairos-Palästina-Dokument zu Wort kommen lassen. Das Bekenntnis der deutschen Kirchen zum heutigen Staat Israel als dem von Gott auserwählten Volk empfinde ich als eine zwanghafte Reaktion auf das Versagen der Kirche in einer Zeit, als die jüdische Bevölkerung in Europa dieses Bekenntnis so dringend gebraucht hätte. Nach meinem Verständnis zeigt die hebräische Bibel mit dem Bild der Auserwählung das Volk Israel, als es unter der Knechtschaft im Sklavenland Ägypten litt und sich nach Befreiung sehnte. Juden und Christen wird mit dieser Erzählung ein Gottesbild von einem gütigen und barmherzigen Gott vermittelt, der sich einem leidenden Volk zuwendet. Heute ist Israel ein von allen Ländern anerkannter Staat mit einer starken Militärmacht, doch mit einer Politik, die ein anderes Volk, die Palästinenser, leiden lässt, in Knechtschaft hält. Und heute ruft dieses andere Volk zu Gott! Im Kairos-Palästina-Dokument werden wir Christen gebeten, auf diesen Hilferuf zu reagieren.

Rose Kändler, Kassel

Warum darf nach Meinung deutscher Kirchen und Theologenkreise Israel nicht kritisiert werden für menschlich-politische Fehlleistungen, für eine inhumane Behandlung der Palästinenser? Hier mit der alttestamentlichen Zusage Gottes an Israel als dem auserwählten Volk zu argumentieren rechtfertigt nicht die feindliche Behandlung der Palästinenser. Die Palästinenser brauchen ebenso ein eigenes Land wie die Israelis, wenn sie nicht als gleichberechtigte Mitbürger in den Staat Israel aufgenommen werden, wie das, soweit ich mich erinnere, Weizmann vorgeschlagen hatte. Deprimierend sind die jahrzehntelangen Verhandlungen zwischen den beiden Völkern, die zu nichts führten. Im Gegenteil, durch die israelische Siedlungspolitik, den Mauerbau und die Checkpoints wurde die Lage noch verschlimmert. Mit Antisemitismus hat solche Kritik überhaupt nichts zu tun. Israel soll endlich den Palästinensern einen eigenen Staat zugestehen und sich mit ihnen versöhnen. Auch für sie selbst würde es von Vorteil sein: Frieden in der unmittelbaren Nachbarschaft zu haben, Sicherheit und Verständigungsbereitschaft und Menschlichkeit.

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