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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2015
Kann Religion Frieden?
Was die Macht des Terrors bricht
Der Inhalt:

Mutiges Debüt

Roman. Es gehört viel Mut dazu, sich belletristisch an einer biblischen Figur zu versuchen. Geradezu tollkühn erscheint es, eine der aufregendsten Personen der Bibel, den Prinzen, Totschläger und Volksbefreier Mose, als Protagonisten eines Romans zu wählen. Die Autorin Barbe Maria Linke aber hat das nun mit ihrem Roman »Moses – Ein Experiment« gewagt.

Die Grundidee des Buchs: Moses findet sich in einem Flug in die Schweiz wieder, begegnet dort der jungen Kati und ihrer Geschichte, die in der DDR begann und sich zwischen der Schweiz, dem Libanon und dem wiedervereinigten Berlin fortsetzt.

Die mosaische Geschichte von Gottesbegegnung, Befreiung und Wüstenwanderung, Verantwortung und Begehren trifft so auf die von Holocaust, Nahostkonflikt und Bürgerkrieg im Libanon. Dazu kommt die psychisch schwer belastende familiäre Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit – Katis Vater war Führungsoffizier bei der Staatssicherheit.

Der Gefahr, sich angesichts solcher Themen zu überheben, ist die Autorin in ihrem ersten Roman auf eindrucksvolle Weise entronnen. Sie weiß nicht nur Mose und Kati als lebendige und glaubwürdige Zeitgenossen zu veranschaulichen. Auch die Menschen, die ihnen begegnen, schildert sie überzeugend: Lisa, die Kati in einer psychiatrischen Klinik am Wannsee trifft, Hugo, den libanesischen Lebensgefährten Katis, oder Nora Bär, ein Opfer der Stasi-Aktivitäten von Katis Vater – mit viel Gespür für spannende und realistisch nachvollziehbare Konstellationen werden all diese Begegnungen ausgebreitet.

Der Roman lässt seine Protagonisten Mose und Kati Annäherung und Distanz, Nähe und Abstand erfahren. Barbe Linkes Werk ist ein L