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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2015
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Der Inhalt:

Von der Nacktheit des Vertrauens

von Christian Feldmann vom 13.02.2015
Das Christentum ist eine Religion für Menschen, die einen tiefen Riss erfahren haben. Und der Kontemplative ist einer, der seinen Kopf riskiert. Das erfuhr der amerikanische Mönch und Mystiker Thomas Merton am eigenen Leib

Mönche müssten Bäumen gleichen, hat er einmal gesagt, »die schweigend in der Dunkelheit leben und durch ihre lebensspendende Gegenwart die Luft reinigen«. Denn der Mönch erfährt in sich noch beklemmender als die Weltleute Lebensangst, Leere und Enttäuschung – und verwandelt die Verzweiflung in eine verrückte Hoffnung. Der amerikanische Trappistenmönch Thomas Merton hat die Welt aber nicht nur durch seine schweigende Gegenwart und tief durchlittene spirituelle Verwandlung bewegt.

Der Mystiker lebte als Eremit in den Wäldern von Kentucky, korrespondierte aber zugleich mit aller Welt, kämpfte gegen das militärische Engagement der Amerikaner in Vietnam und trieb den Dialog mit den asiatischen Religionen voran. Seine spirituellen Texte und Visionen provozieren auch in diesem Frühjahr, in dem sein hundertster Geburtstag begangen wird.

»Der Kontemplative ist der Mensch, der keineswegs feurige Visionen der Cherubim hat, die Gott auf ihrem Fantasiewagen tragen, sondern einfach nur einer, der seinen Kopf in der Wüste riskiert, jenseits der Sprache und jenseits aller Vorstellungen – dort, wo man Gott in der Nacktheit reinen Vertrauens begegnet«, schrieb er in einem Brief, ein Jahr vor seinem Tod.

Thomas Merton war in den 1960er- und 1970er-Jahren die seriöse Speerspitze des christlichen Widerstands gegen Nuklearrüstung und Vietnamkrieg. Seine Autobiografie »Der Berg der sieben Stufen«, die schildert, wie man hinter vermeintlich schützenden Klostermauern um ein authentisches Leben kämpfen muss, erreichte allein in der Originalausgabe eine Auflage von 600 000. Man kannte ihn in der ganzen Welt: Traditionskatholiken, linke Christen, Buddhisten, existenzialistische Philosophen, schräge Schriftsteller.

Am 31. Januar 1915 kommt Tom Feverel Merton in Prades in den europäischen Pyrenäen zur Welt. Seine Eltern sind beide Künstler, erfolgreiche Maler, großzügig, inspirierend, aber unstet, immer auf Reisen. Nach dem Tod der Mutter wuchs Tom an verschiedensten Orten auf: Bei seinen Großeltern auf Long Island, USA, in britischen und französischen Internaten, mit seinem Vater auf dessen Reisen. So etwas wie Heimat hat Thomas ständig gesucht, vor allem seit er mit 16 Jahren Vollwaise geworden ist. Für Gott oder eine Religion interessiert er sich nicht, als Student im amerikanischen Cambridge führt er ein wildes, lautes Leben als intelligenter Karikaturist, begabter

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