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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2015
Hat Hass eine Religion?
Die perfide Taktik des islamistischen Terrors
Der Inhalt:

»Glaube« als Erfolgsrezept

von Christian Urech vom 30.01.2015
Evangelikale Kirchen: Früher missionierten die Eidgenossen in Afrika. Heute schwappt die Welle als evangelikale Rückmissionierung in die Schweiz zurückProtestantische Arbeitsethik

Mit gemischten Gefühlen mache ich mich am letzten Sonntag des Jahres 2014 im ersten Schneegestöber dieses Winters auf den Weg zum Gottesdienst der Lighthouse Chapel International Schweiz (LCI) in Wallisellen. Die menschenleeren Trottoirs sind schneebedeckt und ich habe Mühe, den Ort des Geschehens irgendwo mitten im öden Industriegürtel von Zürich zu finden. Der Saal, in dem der Gottesdienst stattfindet, befindet sich im dritten Stock eines schmucklosen Industriebaus. Mit mir nehmen etwa hundert meist schwarze Menschen im Sonntagsstaat am Gottesdienst teil. Ich mache vier oder fünf weisse Gesichter unter den Anwesenden aus, meist Angehörige von afrikanischen Partnerinnen und Partnern. Vorn auf dem Podest befindet sich eine Gruppe von Sängerinnen und Musikern, die einen Gospel intonieren. Das Publikum im Saal singt und tanzt mit, von vielen werde ich mit einem Lächeln oder sogar per Handschlag begrüsst. Die Stimmung ist fröhlich, freudig aufgeladen, erwartungsvoll und gleichzeitig entspannt. Man kennt sich, umarmt sich, Menschen jeden Alters sind da vom Kind bis zum Greis, Nigerianer, Ghanaer, Südafrikaner, wie ich erfahre. Auf Bildschirmen werden künftige Veranstaltungen angesagt, auch Gottesdienste auf Deutsch, dann werden wir aufgefordert, unsere Handys auszuschalten und während des Gottesdienstes nicht zu essen und zu trinken, später werden auf diesen Bildschirmen die Liedtexte und besprochenen Bibelzitate zu lesen sein. Zweimal, zu Beginn und am Ende des Gottesdienstes, werden die Spendenkörbe herumgereicht.

Ein begnadeter Entertainer

Schliesslich tritt Kweke Amposak, der Prediger, mit dem ich ein Interview machen wollte, der aber auf entsprechende Anfragen nicht reagierte, auf die Bühne. Er spricht ein Englisch, an das ich mich erst gewöhnen muss. Wie sein Chef, Dag Heward-Mills, Gründer und Leiter der Kirche, ist auch er ein begnadeter Entertainer: Er flüstert und schreit, treibt das Publikum an, das klatscht und tanzt und die Hände in die Höhe reckt und »Amen!« und »Halleluja!« schreit. Ich verfolge das alles mit einer Mischung aus Faszination und Irritation: Fasziniert bin ich vom Mitgehen der Gemeinde, das eine ungeheuer dichte Atmosphäre schafft, von der Emotionalität und Lebendigkeit auch, irritiert vom suggestiven Charakter der Predigt, deren Botschaft sich darin erschöpft, dass man nur genug glauben müsse und nicht zweifeln dürfe, dann komm

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