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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2013
Die Welt ist keine Kaffeetasse
Warum die Naturwissenschaften die Wirklichkeit nicht vollständig erklären können
Der Inhalt:

Mit der Kraft der Güte

von Mirjam Mahler vom 25.01.2013
Ein evangelischer Militärpfarrer wird zum Atomwaffengegner und Pazifisten: Matthias Engelke übt den zivilen Ungehorsam

Für den Richter dürfte die Situation nicht angenehm gewesen sein. Wie soll man mit jemandem umgehen, der friedlich gegen eine Verletzung des Völkerrechts protestiert und dafür selber vor Gericht landet?

Das Drohen mit Atomwaffen und ihre Anwendung stellen einen generellen Verstoß gegen das Völkerrecht dar. So lautete 1996 ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofs. Und das stand auch auf den Flugblättern, die Matthias Engelke am 24. Juli 2009 mitsamt einer Rose an die Soldaten der Fliegerkaserne in Cochem-Brauheck verteilte.

Aber nicht nur das: Ausgerechnet ein ehemaliger evangelischer Militärpfarrer forderte die Soldaten auf, im Falle eines Einsatzes mit Atomwaffen den Befehl zu verweigern! Die Anzeige gegen ihn: Hausfriedensbruch.

»Es war eine Invasion der Güte, die die Herzen der Soldaten erreichen sollte«, sagt Engelke. Rund zwanzig amerikanische Atombomben lagern noch in Büchel, einem kleinen Eifeldorf in der Nähe von Cochem. Täglich trainieren die Piloten dort den Einsatz mit ihren Tornados.

Als Engelke zum ersten Mal von diesen Bomben erfuhr, war er noch Militärpfarrer in Idar-Oberstein. Auffällig geworden war er schon vorher, als er im Gottesdienst darüber sprach, dass der Kosovo-Krieg völkerrechtswidrig sei und Soldaten Befehlen dazu nicht Folge leisten müssten.

Die Atomwaffen in Büchel aber brachten das Fass zum Überlaufen. Engelke sprach mit den Offizieren der Zweiten Luftwaffendivision über das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs, veröffentlichte dazu einen Artikel in einer Offiziers-Zeitschrift und lehnte dann noch den sogenannten »lebenskundlichen Unterricht« für die Soldaten ab. Schließlich wollte man ihn nicht mehr haben. »Die haben nur noch gesagt: Holt den Jungen da raus«, sagt Engelke trocken.

Er wird Studentenpfarrer am Umweltcampus Birkenfeld und später Pfarrer in der niederrheinischen Gemeinde Nettetal-Lobberich, in der er auch heute noch lebt. Doch die Atomwaffen lassen ihn nicht los. Noch als Militärpfarrer tritt er im Winter 2000 in den deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes ein, dessen Vorsitzender er inzwischen ist. Hier findet er Gleichgesinnte. Ein paar Monate später gründet Engelke mit anderen d

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