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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2015
Die bedrohte Demokratie
Der Inhalt:

Ein Leben gegen den Hass

von Claudia Mende vom 16.01.2015
Monika Düllmann arbeitet in einem Haus für Sterbende in Jerusalem

Monika Düllmann ist ein optimistischer Mensch. Doch wie es in Jerusalem weitergehen kann, weiß auch sie nicht. Dabei fand das Gespräch mit ihr ein paar Tage vor dem Mordanschlag auf Betende in einer Synagoge statt.

Monika Düllmann ist Krankenschwester, Ordensfrau vom Orden des heiligen Josef. Sie leitet das französische »Saint-Louis Hospital« für Menschen in der letzten Lebensphase. »Ich muss mich von Hass fernhalten«, das ist ihr Rezept in der Stadt, die Juden, Muslimen und Christen heilig ist und in der die Spannungen explodieren.

1889 gegründet, liegt das Hospital an der Nahtstelle zwischen dem jüdischem Westteil und dem arabischen Ostjerusalem. Von Saint Louis aus sieht Monika Düllmann die jüdische Neustadt, den islamischen Felsendom und die Grabeskirche. »Wir sind kein echtes Hospiz und keine Palliativeinrichtung, aber doch ein Haus für Menschen in der letzten Lebensphase«, sagt die Fünfzigjährige mit den kurzen grauen Haaren im schlichten Rock mit Bluse. Seit 1999 arbeitet die Düsseldorferin hier, seit 2004 leitet sie das Haus mit fünfzig Betten. Unter den Patienten sind Krebskranke, Schlaganfallopfer und Komapatienten, aber auch alte Menschen ohne Angehörige. Die meisten sind Juden, zwanzig Prozent sind Christen und zwanzig Prozent Muslime.

Gleich im ersten Jahr ihres Einsatzes in Jerusalem sagte ein Palästinenser zu ihr: »Wir erwarten von euch, dass ihr Brücken offenhaltet.« Das, so Düllmann, »ist so etwas wie das Programm meiner Arbeit geworden«. Denn aus der menschlichen Not heraus können politische und religiöse Gegensätze überwunden werden. »Das geht ganz schnell.« Wenn jemand an Krebs im Endstadium leidet und im Nachbarzimmer auf jemanden mit dem gleichen Schicksal trifft, verschwinden die sonst oft so zähen Vorbehalte. Unter den sechzig Angestellten sind Palästinenser wie Israelis; außerdem helfen 25 Freiwillige aus aller Welt. Auch Monika Düllmann war einmal Freiwillige im Saint Louis; danach trat sie in den Orden ein.

»Wer nicht mehr alleine essen kann, braucht jemanden, der sich zu ihm setzt und ihn achtsam füttert«, sagt die Schwester. »Das können wir nur dank der vielen Freiwilligen.« Finanziert wird das Krankenhaus zu achtzig Prozent aus den Tagessätzen der israelischen Krankenversicherung, den Rest steuern Spender aus aller Welt bei.

Der Tag beginnt für Monika Düllma

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