Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2017
Weckruf für die Welt
Wie weiter unter Donald Trump?
Der Inhalt:

»Nur wer nicht hungert, wird aktiv«

von Juliane Ziegler vom 13.01.2017
In einem namibischen Dorf wurde das bedingungslose Grundeinkommen getestet. Ein Besuch in Otjivero
< 1/1 >
< 1/1 >

Die Sonne knallt vom Himmel. Die 19 Jahre alte Albertina trägt ihr Baby auf dem Arm, während sie den Lebensmittelladen zeigt, den sie gemeinsam mit ihrer Mutter im Dorf Otjivero in Namibia betreibt: ein Raum ohne Fenster, aus Wellblech zusammengebaut, mit Alufolie ausgekleidet. Eine schmale Theke, dahinter provisorische Regale mit bunt verpackten Süßigkeiten, Konservendosen, Säcke mit Maismehl, ein paar Packungen Zucker und einige Flaschen Öl.

Otjivero ist ein kleines Dorf in Namibia, etwa hundert Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Windhuk. Die Straßen sind buckelig und kaum befestigt, die einstöckigen Verschläge mit Holzlatten vernagelt oder mit rostigen Wellblechteilen abgedeckt. In manchen Vorgärten suchen Hühner oder Ziegen im staubigen Sandboden nach Essbarem. Kinder, die eigentlich in die Schule gehörten, spielen am Straßenrand. Armut und Arbeitslosigkeit, Kriminalität und nicht selten Alkoholsucht bestimmen in Otjivero den Alltag. Etwa tausend Menschen leben in dieser Siedlung, umgeben von den Farmen Wohlhabender und größtenteils Deutschstämmiger.

In Otjivero starteten Kirchen, Gewerkschaften, Entwicklungs- und Nichtregierungsorganisationen 2008 das Grundeinkommensprojekt Basic Income Grant (BIG): Über zwei Jahre hinweg erhielt jeder, Kinder eingeschlossen, hundert namibische Dollar – nach aktuellem Kurs etwa 6,50 Euro – im Monat, vorausgesetzt, er hatte sich registrieren lassen und bezog nicht gleichzeitig Rente. Das Grundeinkommen wurde ohne Bedingung, Auflagen oder Gegenleistungen ausgezahlt und ohne dass Bedürftigkeit nachgewiesen werden musste.

Namibia gilt als einer der reichsten Staaten Afrikas, doch in kaum einem anderen Land sind die Einkommensunterschiede derart groß. Die Lebensstandards gehen weit auseinander: Etwa die Hälfte der Namibier hat keine Arbeit, es gibt keine gesetzliche Kranken- und Altersvorsorge.

Das Grundeinkommen finanzierten Kirchen, Gewerkschaften und anderen Nichtregierungsorganisationen aus Namibia und anderen Ländern. Auch aus Deutschland kamen Spendengelder: von den evangelischen Kirchen im Rheinland und in Westfalen.

»Nur wer nicht hungert, wird wirtschaftlich aktiv und kann sich selbst aus der Armut befreien«, betonte Zephania Kameeta, ehemaliger Bischof der lutherischen Kirche in Namibia. Er engagierte sich beharrlich für das Grundeinkommen

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen