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Es werde Licht!

von Markus Dobstadt 21.12.2018
Was wäre Weihnachten ohne die Dunkelheit? Und was ohne das Licht? Seit Wochen leuchten Lichterketten in Gärten und Sterne in Fenstern. Denn Menschen brauchen Licht, auch für ihre Seele. Atmen wir auf, heute ist Wintersonnenwende. Sie hat viel mit Weihnachten zu tun
Warum zünden wir an Weihnachten Kerzen an? Nur, um es uns gemütlich zu machen? (Foto: istockphoto/tab1962)
Warum zünden wir an Weihnachten Kerzen an? Nur, um es uns gemütlich zu machen? (Foto: istockphoto/tab1962)

Kerzen flackern am Hauseingang, ein Beamer lässt eine glitzernde, sich schnell ändernde Sternenwelt an einer Hauswand aufleuchten. Gut ein Dutzend Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche stehen davor und singen ein Weihnachtslied, anschließend hören sie eine Geschichte. Es ist Zeit für den »Lebendigen Adventskalender« der evangelischen Gemeinde in Frankfurt-Bonames. An manchen Abenden, immer um halb sieben, öffnete sich im Advent im Ort ein Fenster oder eine Tür, erwartungsvoll steht eine Gruppe Menschen davor. Die Bewohner tragen Texte vor. Vom Gefühl her rückt Weihnachten in dieser Zeit auf einmal näher. Der Alltag tritt in den Hintergrund. Wir Zuschauer stehen im Dunkeln, die Vortragenden im Licht. Niemand käme auf die Idee, so etwas im Sommer zu veranstalten.

Das Helle und das Dunkle, das ist es wohl, was uns in dieser Zeit empfänglicher macht als sonst für die christliche Hoffnungsbotschaft. Im Winter fehlt allzu oft das Licht der Sonne. Und mit ihr die Wärme. Im Dunkeln ist jeder auf sich geworfen. Mit Dunkelheit wird der Tod verbunden, mit dem Licht das Leben. Auch dass wir Weihnachten im Winter feiern, hängt vermutlich mit dem Licht zusammen, genauer mit der Wintersonnenwende, die genau heute ist. Von nun an werden die Tage, zum Glück, wieder länger.

Weihnachten löste das »Sol-invictus-Fest« ab

Schon seit Urzeiten wurde in vielen Kulturen die Sonnenwende gefeiert, nicht immer allerdings am 21. Dezember. Bei den Römern lag sie auf dem 25. Dezember. Das Weihnachtsfest löste, als es Berichten zufolge im Jahr 336 in Rom erstmals gefeiert wurde, das »Sol-Invictus-Fest« ab. Jesu Geburt wurde einen Tag vor die Feier zu Ehren des unbesiegbaren Sonnengottes gelegt.

Weihnachten verbinden wir bis heute mit Licht. Auf dem Adventskranz leuchten immer mehr Kerzen, je näher wir dem Heiligen Abend kommen. Auf jedem Weihnachtsbaum funkelt ein Lichtermeer. Die Innenstädte sind beleuchtet, mittlerweile auch viele Balkone und Gartenzäune. Man begegnet allerdings auch meterhohen, mit Luft gefüllten leuchtenden Weihnachtsmännern und grellen Lichtershows. Dort, wo des Guten zuviel ist, merkt man: Auch das Dunkle hat seinen Wert.

Denn dezentes Licht wirkt darin wie ein leuchtendes Signal: Es zeigt, hier wohnt jemand, der auf sich aufmerksam macht und nicht vergessen werden will. Zur Beleuchtung braucht man all die Lampen ja nicht. Nur wer mit seiner Umwelt in Kontakt treten möchte, stellt ein Licht oder eine Kerze ins Fenster. »Siehe, ich leuchte dir.« Ein Lichternetzwerk erhellt das Dunkle. Eine Hoffnungsbotschaft, sogar unabhängig von aller Religion. Denn Lust auf Lichtsignale haben ja auch Nichtchristen.

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Doch die christliche Botschaft geht tiefer. Der Priester und Poet Andreas Knapp schreibt in einem Gedicht:

wenn unsere Sprache aber // dann ganz gott los ist // in welchem Wort // wird unser Heimweh wohnen // wem schreien wir noch // den Weltschmerz entgegen // und wen loben wir // für das Licht?

Licht kann existenziell werden, es wird zum Bild für Gott. In Johannes (8,12) sagt Jesus: »Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.« In der Weihnachtsgeschichte tritt der Engel des Herrn zu den Hirten, und, so schreibt Lukas, die »Klarheit des Herrn leuchtete um sie«. Bei Matthäus leitet ein Stern die Heiligen drei Könige vom Morgenland bis zur Krippe, in der Jesus liegt.

Aber Gott ist nicht nur äußerlich, jeder kann ihn im eigenen Innern finden: In Matthäus (5, 14) sagt Jesus denen, die ihm folgen: »Ihr seid das Licht der Welt.« Und bei Lukas (17,20) sagt Jesus: »Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.« Man kann es im besten Fall in sich entdecken.

Und auch weitergeben. So wie die Pfadfinder jedes Jahr das Friedenslicht weitertragen. Sie entzünden es vor Weihnachten in Bethlehem in der Geburtsgrotte Jesu. Von dort wird es nach Wien geflogen und in viele Länder gesandt. Licht kann man wie die Liebe teilen, ohne dass es abnimmt, es vermehrt sich dadurch sogar und kann die Welt verändern. Die Botschaft der Pfadfinder in diesem Jahr lautet: »Frieden braucht Vielfalt – zusammen für eine tolerante Gesellschaft«. Das Wort ist ein gutes Motto in dieser vielerorts so intoleranten Zeit.

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