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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2020
Arbeiten und Leben nach Corona
Was wir aus der Krise lernen können
Der Inhalt:

Aus der Krise lernen. Aber was?

von Wolfgang Kessler vom 19.05.2020
»Die Welt nach Corona wird eine andere sein«, sagte Bundespräsident Steinmeier gleich nach dem Ausbruch der Pandemie. Doch wird sie eine bessere sein?
Die Welt hält den Atem an (Foto: iStock by Getty / Ales_Utovko)
Die Welt hält den Atem an (Foto: iStock by Getty / Ales_Utovko)

So schnell kann es gehen: Jahrzehntelang wurde der freie Markt verherrlicht. Jetzt rettet der Staat Unternehmen und Arbeitsplätze. Vor wenigen Monaten reagierten Konservative noch hasserfüllt auf Forderungen nach Enteignung. Jetzt denken auch CDU-Politiker an staatliche Beteiligungen zur Rettung von Betrieben. Seit vielen Jahren sind die geringen Löhne in der Pflege bekannt, plötzlich gelten Pflegekräfte als »systemrelevant« und sollen tariflich entlohnt werden. Politiker und Unternehmer appellieren an die Solidarität der Bürger. Lange Zeit hörte man dieses Wort »nur« in Kirchen und Gewerkschaften, in der Wirtschaft wurde Gier zur Tugend erklärt.

Markt gut, Staat böse

Kein Zweifel, die staatlichen Initiativen und die Appelle an den Gemeinsinn sind nur zu berechtigt. Aber verwunderlich sind sie doch. Es brauchte offenbar ein tödliches Virus, um zu erkennen, dass der herrschende Neoliberalismus und die daraus resultierende Politik großen Krisen nicht gewachsen sind. Das zeigte sich zwar schon in der Finanzkrise 2008 und – noch stärker – in der Klimakrise. Dennoch folgt die regierende Politik bis zuletzt den Prinzipien, die seit vierzig Jahren von der Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler als absolute Wahrheit verkündet werden: Dass nämlich der Wohlstand aller wächst, wenn die Einzelnen ihren egoistischen Interessen folgen. Und dass der freie Markt effektiv ist, der Staat dagegen ein teurer Moloch.

Es war die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher, die diese Prinzipien Ende der 1970er-Jahre konsequent in Politik umsetzte. Man müsse die fettesten Pferde füttern, damit auch für die Spatzen mehr Pferdeäpfel abfielen, sagte sie. Und handelte danach: Ihre R

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