#Karnickelgate
Über den Wolken, im Flieger, startet Papst Franziskus mit flapsigen, jedermann verständlichen Worten gerne nötige Reformdebatten. 2013, auf dem Rückflug von Brasilien, machte er den Katholiken klar, dass niemand mehr Homosexuelle diskriminieren dürfe. Jahrhunderte lang hatte dies die Amtskirche getan. Auf dem Rückflug von der katholischen Armutsrepublik Philippinen nun forderte er die Gläubigen auf, sich nicht »wie die Karnickel« zu vermehren.
Diese lockeren Worte, die alle Welt versteht, bedeuten für die Kirche einen revolutionären Schritt. Denn erstmals thematisiert ein Papst die fatale Verknüpfung von Armut und Überbevölkerung, verschärft von der katholischen Kirchenlehre, die seit der unseligen »Pillenenzyklika« von 1968 so genannte »künstliche« Verhütungsmittel verbietet. An keinem anderen Punkt ist die ethische Unverantwortlichkeit der überkommenen Glaubenslehre so krass.
Doch jetzt stößt Franziskus die Katholiken ins Nachdenken. Denn er ändert die Lehre nicht mit einem Federstrich, wie sich das ungeduldige Aufklärer wünschen. Er lässt – wie bei den anderen von ihm aufgebrochenen Streitfragen auch – lehrmäßig erst einmal alles beim Alten. Was könnte der Grund für ein solches Verhalten sein? Der Argentinier will die Konservativen ganz offensichtlich nicht von der Kirche abspalten. Männer, die sich nun abmühen, die Papstworte abzumildern. Sie wirken dabei nur lächerlich. Denn Franziskus macht Revolution, in dem er alte Prioritäten mit einem Schlag beseitigt: durch ein #Karnickelgate (so der Hashtag, der online Furore macht). Wie Katholiken Familienplanung betreiben und es bei »zwei, drei Kindern« belassen könnten, erklärt er einfach zu ihrer Sache. Er entlässt so »die Kinder«, von denen frühere Päpste schwafelten, in die erwachsene Selbstverantwortung. Ein Fortschritt? Ja! Franziskus führt seine Kirche »südamerikanisch« in eine neue Zeit.
