Wegbereiter einer neuen Zukunft
Im September 1991 hielt der damalige polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki in Berlin eine Rede, in der er über die künftige Gestalt Europas und die Chancen einer neuen Nachbarschaft zwischen Deutschen und Polen sprach. Ausdrücklich würdigte er zwei Männer aus der DDR, die Wegbereiter der neuen Nachbarschaftlichkeit gewesen seien: Lothar Kreyssig, den Gründer der Aktion Sühnezeichen, und Günter Särchen, seinen katholischen Weggefährten. Diese Passage aus Mazowieckis Rede ist, aus welchen Gründen auch immer, in der in Deutschland gedruckten Fassung gestrichen worden. Sie wurde jedoch in der polnischen katholischen Zeitschrift Wiez dokumentiert. Mazowiecki hatte daran erinnert, »dass es in der ideologisch gleichgeschalteten und in diesem Punkt todernsten DDR auch Menschen und Gruppen gab, die sich schon früh von den herrschenden Regeln und Schemata befreit hatten. Gerade sie waren für mich und meine Freunde wichtig, und nicht die offizielle Doktrin und Praxis der Freundschaft zwischen 'sozialistischen Nachbarn?, die schon damals einen bitteren Beigeschmack hatte. Ich möchte nicht, dass man die Bemühungen von Menschen wie Kreyssig und Särchen vergisst.« Günter Särchen nannte er einen Menschen von außergewöhnlicher Rechtschaffenheit und Opferbereitschaft, mit dem ihn eine sehr enge Freundschaft verbinde.
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