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Jubiläumsausstellung
Was, wenn wir Kunst als Fürsorge verstünden?

Die Leipziger Künstlerinnengruppe [ materialistin ] setzt sich im Hamburger Bahnhof in Berlin nicht nur mit Frauenrollen auseinander. Sie entwirft auch ein Gegenmodell zum vorherrschenden Kunstbetrieb.
von Gunhild Seyfert vom 06.10.2026 Vorgelesen von einer künstlichen Stimme.
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(Foto: Jacopo La Forgia / © Laura Eckert, VG Bildkunst, Bonn 2026)
(Foto: Jacopo La Forgia / © Laura Eckert, VG Bildkunst, Bonn 2026)

Ausstellung. Acht Büsten von Frauen stehen still auf einem grau lackierten Metallregal. Jede steht für sich allein und wirkt distanziert auf das Gegenüber. Die Leipziger Künstlerin Laura Eckert hat sie aus Kalkstein, Gips und alten Eichendielen geformt. Die Übergänge sind offen sichtbar und hart, einige der Büsten wirken wie grob zusammengezimmert. So gleichen die Gesichter Fassaden, die Brüche und Verletzungen nur notdürftig verbergen.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 19/2026 vom 09.10.2026, Seite 55
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Der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart in Berlin feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Eine der Ausstellungen, die im Rahmen dieses Festjahres gezeigt werden, zeigt Skulpturen und Installationen der Leipziger Künstlerinnengruppe [ materialistin ], zu der neben Laura Eckert auch Enne Haehnle, Elisabeth Howey, Lucy König, Agnes Lammert, Wibke Rahn, Theresa Rothe und Sophie Uchman gehören.

»Matter of Care, Care of Matter« ist eine Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung und dem Selbstbild von Frauen in Kultur und Gesellschaft. Die acht Künstlerinnen, die alle im Bereich Skulptur arbeiten, positionieren sich dabei klar feministisch. Auch für sich selbst haben sie eine Lebens- und Arbeitsform gefunden, die sich patriarchalen Strukturen entzieht und gegenseitige Fürsorge in den Mittelpunkt rückt. Konkurrenzdenken und Individualismus, die oft im Kunstbetrieb herrschen, setzen sie wechselseitige Hilfe und Interesse an der anderen entgegen.

Künstlerisch legt die Gruppe einen starken Fokus nicht nur auf »care«, Fürsorge, sondern auch auf »matter«, auf das Material mit seinen besonderen Eigenschaften und Eigentümlichkeiten: Stahl, Beton, Metall, Wachs, Ton, Pflanzen und andere nachwachsende Rohstoffe. So bietet die Ausstellung einen Einblick in Formen aktuellen Kunstschaffens – und zeigt gleichzeitig, wie Kunst in einem freiheitlichen, solidarischen Miteinander entsteht.

Insgesamt sind im Hamburger Bahnhof zum Jubiläum acht Sonderausstellungen sowie Performances und Konzerte geplant. Vom 13. bis 15. November soll das Berliner Museum 30 Stunden ohne Pause geöffnet werden.

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