Frischer Wind gegen Bush und Gore
Seitdem Amerikas Grüne den populären Verbraucheranwalt Ralph Nader zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gekürt haben, machen sie nationale Schlagzeilen. Die US-Grünen, zusammengeschlossen in einem lockeren Netzwerk von rund 70 lokalen und regionalen Ökogruppen, haben den öde gewordenen Wahlkampf kräftig aufgemischt: In 34 Bundesstaaten haben sie genügend Unterschriften gesammelt, um bei den Präsidentschaftswahlen anzutreten - in elf weiteren ist das Ziel fast erreicht. Die Nominierung des 66-jährigen Ralph Nader war ein Happening für die Medien. Biografische Reminiszenzen an den couragierten »Mr. Integrity« - Naders ruhmvolle Vergangenheit als Umweltschützer - wechseln ab mit verwegenen Zukunftszenarien: Ralph Nader habe das Potenzial, die Kandidatur von Al Gore zu gefährden, heißt es da. Wenn der 66-jährige Populist die Stimme der Gewerkschaften bekäme, könnten die Demokraten einpacken; wenn es dem grünen Kandidaten gelänge, die Protestwähler zu mobilisieren und im Herbst bei den Fernsehdebatten mitzumischen, dann sei das der Nagel zum Sarg des traditionellen Zweiparteiensystems: der Durchbruch der Green Party als ernst zu nehmende dritte Partei.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
