Die freie Seele
Paris, Porte St. Antoine, 1. Juni 1310. Aus der Ferne schaue ich zu, wie an zwei Menschen das von der Inquisition verhängte Todesurteil vollstreckt wird. Sie sollen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Ein Jude, den ich nicht kenne und von dem ich nichts weiß. Und meine Freundin Marguerite Porète. Das grausame Geschehen will mir das Herz brechen. Und doch bin ich zugleich gefasst. Meine Lebenserfahrung hat mich darin wachsen lassen, dem Schweren und Schrecklichen ins Auge zu sehen, ohne vollends daran zu zerbrechen. Es ist die Kraft der göttlichen Liebe, die den Tod überwindet. Sie hat mich in meinem Leben immer wieder gestärkt.
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