Wenn der Mensch überflüssig wird
Vor vier Wochen war es wieder einmal so weit: Wir, die Leipziger Thomaskirche, mussten eine ABM-Kraft, die hervorragend gearbeitet hat, ins Nichtstun verabschieden. Eine Verlängerung war nicht möglich. Nun wird die Frau für das Nichtarbeiten-Dürfen bezahlt. Das ist der alltägliche Skandal, an dem alle hehren politischen Forderungen nach Vollbeschäftigung und sozialethischen Verlautbarungen der Kirchen abprallen. Solange es uns nicht gelingt, für solche Menschen Perspektiven für Arbeit zu eröffnen, beteiligen wir uns daran, sie für überflüssig zu erklären. Hinter der gigantischen Zahl von mehr als fünf Millionen Menschen, die heute als erwerbslos oder Sozialhilfeempfänger registriert sind, verbergen sich viele Männer und Frauen, die noch nie ihr Einkommen über Erwerbsarbeit erwirtschaften konnten oder dies nie mehr könen. Sie leben in dem Bewusstsein, nichts aktiv zur Gestaltung ihres eigenen und des gesellschaftlichen Lebens beitragen zu können. Sie sind zu einem erheblichen Teil in ihrer Persönlichkeit deformiert und einem Zerfall des eigenen Lebens unterworfen.
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