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Schach der Männermacht

Lange hatten Frauen keine Chance auf Macht. Dann spielten sie nach den Regeln der Männer. Doch es gibt einen dritten Weg - und von dem profitieren sie jetzt.
von Britta Baas vom 10.03.2000 Vorgelesen von einer künstlichen Stimme.
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Angela Merkel lächelt fein. Sie klopft Volker Rühe nach der knapp verlorenen Schleswig-Holstein-Wahl leutselig auf die Schulter - und er lächelt zurück. Oder doch nicht so richtig? Sein Blick geht nicht nach oben, sondern bleibt an den eigenen Schuhspitzen hängen. Ist da was? Eine Fliege? Ein Schmutzfleck? Nicht so wichtig für Angela Merkel. Die Hand, die eben noch eine selbstbewusste, fast überlegene Anerkennung für den Konkurrenten im Rennen um den Parteivorsitz der CDU signalisiert hat, schiebt den Mann jetzt schnell und kraftvoll zu Seite - hält ihn einen halben Meter auf Abstand. Die Kameras klicken. Im Blitzlichtgewitter lächeln beide, die Frau und der Mann, öffentlichkeitstrainiert in die Objektive. Das Lächel-Gesicht des Mannes wirkt in diesen Sekunden noch immer wie eine Maske. So, als sei die Fliege auf der Schuhspitze ärgerlicherweise einfach nicht wegzuscheuchen. Die Frau lächelt anders: Sie wirkt seltsam erholt und gelöst für eine Politikerin, deren Partei mitten in einer so ultimativen Krise steckt, dass sie die politische Moral und Glaubwürdigkeit des ganzen Landes seit Monaten erschüttert. Doch genau besehen ist das nur auf den ersten Blick seltsam: Denn Angela Merkel hat profitiert von dieser Krise. Sehr sogar. Die Krise war der Beginn ihres kometenhaften Aufstiegs.

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