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Nutzt Donald Trump der Welt?

Wohl kein US-amerikanischer Präsident hat so sehr polarisiert, wie Donald Trump es tut. Die Mehrheit der Europäer lehnt ihn ab, in den USA dagegen scheint der Stamm seiner Anhänger stabil. Hat seine bisherige Amtszeit der Welt etwas gebracht? Uns interessiert Ihre Meinung! Hier streiten ein Journalist und ein Politiker
von Ludwig Greven , Ruprecht Polenz vom 24.07.2019 Vorgelesen von einer künstlichen Stimme.
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Nutzt Trump der Welt? »Ja!«, findet der Journalist Ludwig Greven (links). »Nein!«, sagt der Politiker Ruprecht Polenz. (Fotos: Wikimedia; PA/ZB/Karlheinz Schindler)
Nutzt Trump der Welt? »Ja!«, findet der Journalist Ludwig Greven (links). »Nein!«, sagt der Politiker Ruprecht Polenz. (Fotos: Wikimedia; PA/ZB/Karlheinz Schindler)

Ludwig Greven: »Ja, er nutzt ihr!«

»Donald Trump ist sicherlich einer der schlechtesten, wenn nicht der schlechteste US-Präsident der Neuzeit. International irrlichtert er. Nüchtern betrachtet jedoch macht er manches besser als seine Vorgänger: Anders als Friedensnobelpreisträger Barack Obama und anders als die beiden Bushs hat er noch keinen Krieg angefangen, auch wenn er den Konflikt mit Iran schürt. Im Gegenteil: Er will die restlichen US-Truppen aus dem Irak und aus Syrien abziehen, und er bemüht sich intensiv um eine Lösung des Atomstreits mit Nordkorea, was keinem seiner Vorgänger gelungen ist.

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Den Rückzug der USA als Weltordnungsmacht hat nicht Trump, sondern Obama eingeleitet, ebenso die Politik gegen den imperialen Gegner China. Obamas Nachfolger setzt dies zwar aggressiv, aber durchaus mit Berechtigung fort. Für die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran hat Trump ebenfalls einige Punkte auf seiner Seite: Das Land hat seine atomar bestückbaren strategischen Raketen weiterentwickelt, und es bedroht mit seiner Kriegsbeteiligung in Syrien und Jemen und mit der Unterstützung zahlreicher Terrormilizen die gesamte Region. Trump hat zudem Erfolg: Die Führung in Teheran ist jetzt zu Verhandlungen mit ihm bereit.

Ähnlich beim Handelskonflikt. Trump hat recht: China und die EU verlangen zum Teil höhere Zölle auf US-Waren als umgekehrt, auch andere Länder behandeln sie unfair. Ob er mit seinem Brachialkurs sein Ziel erreicht, die US-Wirtschaft zu stärken, ist allerdings zu bezweifeln.

Trumps wichtigstes, unfreiwilliges Verdienst: Er macht der Welt klar, wie wichtig eine multilaterale, verlässliche Weltordnung ist. Und er zwingt Europa, endlich Verantwortung für seine eigene Sicherheit und für den Weltfrieden zu übernehmen.«

Ruprecht Polenz: »Nein, er schadet ihr!«

»Keiner ist unnütz – er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen. So gesehen wäre der Nutzen von Trump für die Welt beträchtlich. Wir könnten lernen, wie man nicht über Frauen oder Minderheiten spricht und dass man kleine Kinder nicht einfach von ihren Eltern trennt, nur weil diese ohne Einreisepapiere die Grenze übertreten haben.

Trump zeigt der Welt, wohin es führt, wenn jedes Land sich an die erste Stelle setzen würde nach seinem Wahlkampf-Motto »America first«. Als immer noch stärkstes Land auf der Welt lassen sich die eigenen Interessen in bilateralen Gesprächen am besten durchsetzen. Notfalls helfen Sanktionen. Man könnte auch vom »Recht des Stärkeren« reden, nur dass das mit Recht nicht mehr viel zu tun hat.

Zusammen mit seinem Mantra »Make America great again« führt Trump’sches Denken zum Ende des Multilateralismus. Als erster amerikanischer Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg steht Trump dem europäischen Einigungsprozess und der EU feindselig gegenüber. Er ermutigt zum harten Brexit und verspricht Macron besonders enge amerikanisch-französische Beziehungen, falls Frankreich dem britischen Beispiel folgt. Sein früherer Buddy Steve Bannon berät derweil europafeindliche Parteien wie FPÖ oder AfD im Wahlkampf gegen die EU.

Der »Master of the Deal«, so seine Selbstbeschreibung, läuft immer wieder nach Nordkorea, ohne Greifbares dafür zu bekommen. Weil es noch kein Raketenabkommen mit Teheran gibt, kündigt er das bestehende über Nuklearfragen auf. Niemand spricht so oft über Fake News wie er – und setzt solche ungeniert in die Welt. Er tut, was er kann, um den Unterschied zwischen Fakt und Fiktion, Wahr und Falsch, zu verwischen. Es bleibt offen, ob er ihn selbst noch kennt. Die Welt wird einige Zeit brauchen, sich von seinem schlechten Beispiel zu erholen.«

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Personalaudioinformationstext:   Ludwig Grevenm (@lugreven), geboren 1956, arbeitete bei der »Woche« und bei »Zeit Online«. Inzwischen ist er freier Journalist. Er lebt in Hamburg.
Ruprecht Polenz (@polenz_r), geboren 1946, war von 1994 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2005 bis 2013 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. 2000 war er Generalsekretär der CDU.
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Schlagwort: Donald Trump
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