Christiane Spiel
Christiane Spiel, Wiener Bildungspsychologin, kritisiert das neu eingeführte Kopftuchverbot an Österreichs Schulen.
Aus Spiels Sicht könnte das für Kinder zu Loyalitätskonflikten führen, wie sie im ORF erläuterte. Denn die Kinder würden ihre Eltern lieben, die ihnen aufgrund ihres Glaubens sagten, sie sollen ein Kopftuch tragen. »In der Schule, in die die Kinder auch gerne gehen, sagt wieder die Lehrerin: Nein, du sollst das nicht tragen.« Das Kind sei also nicht in der Lage, es beiden Seiten recht zu machen. »Und das führt natürlich zu einem inneren Konflikt und wirklich zu emotionalen Problemen«, betonte die Bildungspsychologin.
Die regierende Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos hatten das Kopftuchverbot beschlossen. Auch die rechte FPÖ stimmte dafür. Mädchen bis 14 Jahre dürfen von nun an kein »Kopftuch nach islamischer Tradition« in der Schule tragen. Mit 14 Jahren beginnt in Österreich die Religionsmündigkeit, dann dürfen die Mädchen selbst entscheiden.
Im Jahr 2020 hatte der Verfassungsgerichtshof ein ähnliches Gesetz aufgehoben. Dieses hatte sich gegen das Tragen »weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung« gerichtet, die »mit einer Verhüllung des Hauptes verbunden ist«. Es war also nicht eindeutig als Verbot islamischer Traditionen formuliert. Die Richter hoben es auf, weil es selektiv sei und sein Regelungsziel verfehle.
Das neue Gesetz zielt dagegen auf die »bestmögliche Entwicklung und Entfaltung« der Schülerinnen ab. Bisher ist unklar, ob das Verfassungsgericht auch das neuerliche Kopftuchverbot für unrechtmäßig erklären wird.
Nach Ansicht von Bildungsexpertin Spiel ist das Vorhaben nicht durchdacht. »Letztlich sollte jede Maßnahme im Bildungssystem eigentlich dazu dienen, dass die Kinder besser lernen, dass sie sich in der Schule wohlfühlen«, sagte sie.

Personen und Konflikte