Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, hat das soeben beschlossene Verbot von »Stolpersteinen« in der sächsischen Kleinstadt Heidenau als den »völlig falschen Weg« bezeichnet. Sie sei »entsetzt«, sagte die 93-jährige Holocaust-Überlebende, »dass eine demokratische Partei sich dafür hergibt, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu unterstützen«.
Auf Antrag von AfD, einem Bürgerbündnis und der CDU hatte der Heidenauer Stadtrat vergangene Woche beschlossen, künftig keine weiteren Stolpersteine im öffentlichen Raum mehr zuzulassen. Derzeit erinnern fünf dieser Stolpersteine an die unter den Nazis verschleppten und getöteten Juden Heidenaus.
Künftig solle das Gedenken an die »Opfer von Krieg, Terror, Diktatoren, Vertreibung und insbesondere des Nationalsozialismus« zentral auf dem Heidenauer Nordfriedhof gebündelt werden, heißt es in dem Beschluss, der mit 13 gegen sechs Stimmen gefasst wurde. Die öffentliche Entrüstung folgte auf dem Fuß: Damit solle das Gedenken aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verdrängt werden, lautet das Hauptargument.
Es fehlt auch nicht an drastischen Formulierungen. So sprach Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, von einem »durchsichtigen und schäbigen Versuch«, Nazi-Opfer erneut »aus der Stadt hinauszuwerfen und sie dahin zu entsorgen, wohin das Gedenken nach Meinung der AfD schon längst gehört: auf den Friedhof.« Dass CDU-Abgeordnete der AfD dabei zur Hand gingen, sei sei ein Skandal, sagte Heubner.
Interessant ist die Position von Charlotte Knobloch deswegen, weil sie an ihrem Heimat- und Wohnort München seit Jahrzehnten vehement gegen die Verlegung von Stolpersteinen polemisiert und nun in Heidenau genau andersherum argumentiert.
Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied. Knobloch hatte sich gegen das Projekt des Künstlers Gunter Demnig hauptsächlich mit dem Argument verwahrt, es sei unerträglich, dass auf diesen Gedenksteinen, die ja in Gehsteige oder Straßen bodengleich eingelassen sind, so herumgetrampelt werde wie seinerzeit auf den Juden selber. Diesem Argument ist der Münchner Stadtrat gefolgt und hat sich 2015 für ein »Gedenken auf Augenhöhe« entschieden: in Bayerns Hauptstadt sollen nun Plaketten oder Stelen an Hauswänden, in etwa 1,80 Metern Höhe, an ermordete Jüdinnen und Juden und andere Verfolgte des Nazi-Regimes erinnern.
Auf diese Weise bleibt das Münchner Erinnern inmitten der Stadt und wird – anders als in Heidenau – nicht auf einen entlegenen Friedhof abgedrängt.
Stolpersteine nach Demnigs Konzept gibt es in München gleichwohl: 462 sind es nach Auskunft des örtlichen Initiativ-Bündnisses. Sie liegen demnach wie alle anderen auch im »öffentlichen Raum«, aber nur dort, wo sich das entsprechende Stück Gehsteig oder die Hauseinfahrt in Privateigentum befindet und die Eigentümer zugestimmt – oder es sogar ausdrücklich gewünscht haben.

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