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Editorial
Heimat oder: Wo kann ich Mensch sein?

vom 17.06.2026
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Die Welt ist im Umbruch. Menschen leiden unter einer großen Verunsicherung. Vertraute Gewissheiten gehen verloren, traditionelle Bindungen lösen sich auf. Veränderung ist der Imperativ unserer mobilen Zeit. Dadurch aber schwindet das äußere und innere Heimatgefühl: Wo bin ich zu Hause? Wo gehöre ich hin? Was gibt mir Halt?

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum EXTRA 07/2026 vom 25.06.2026, Seite 2
Heimat
Heimat
Ein Dach für die Seele
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Heimat wird als gefährdet erlebt, durch Globalisierung, Mobilisierung und Digitalisierung. Und gerade deshalb hat Heimat wieder Konjunktur. Sie wird auch zu einem politischen Thema. Rechte Populisten schüren das Gefühl eines bedrohlichen Heimatverlustes. Aber die Angst vor dem Verlust von Sicherheit und Geborgenheit kann nicht besiegt werden durch Abgrenzung und einen völkischen, national verengten Heimatbegriff. Heimat ist vielfältig. Heimat ist bunt. Heimat können wir an unterschiedlichen, auch fremden Orten finden. Davon erzählen wir in den Beiträgen in diesem EXTRA.

Natürlich sind es oft Landschaften, die uns ein Heimatgefühl vermitteln. Der Schwarzwald zum Beispiel oder die Rhön, die Berge oder das Meer. Tatsächlich kann die sogenannte geografische Psychologie inzwischen beschreiben, wie sehr Landschaften unsere Persönlichkeit prägen. Doch zugleich erkennen wir, wie brüchig örtliche Zugehörigkeiten schon immer waren. Es ist eine höchst individuelle Aufgabe, herauszufinden, was einen gerade an diesem Ort oder in dieser Landschaft heimisch sein lässt.

Vielleicht sind es auch kleine Rituale oder Gewohnheiten, die uns selbst am fremden Ort Heimat fühlen lassen. Da sucht einer zum Beispiel auf Reisen immer ein Café auf. Vertraute Geräusche, vertraute Gerüche. Und vielleicht ergibt sich schon ein erstes Gespräch. Beziehungen sind oft der Kern für heimatliche Verbundenheit. Und manchmal ist es schlicht der eigene Koffer im fremden Hotelzimmer, der Beheimatung schenkt.

Immer wieder müssen Menschen auch mit dem schmerzlichen Verlust von Heimat umgehen. Im Norden von Laos werden die Einwohner im großen Stil umgesiedelt, um Platz zu machen für Industrieprojekte. Sie bewahren ihr Heimatgefühl auf »kulinarische« Weise. Menschen, die aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, haben mühsam eine neue Heimat gefunden, die man ihnen oft genug verwehrt hat. Ihre Kinder in zweiter und dritter Generation wandern zwischen verschiedenen Heimaten. Wo sind sie zu Hause?

»Wir haben hier keine bleibende Statt«, so lautet ein biblischer Satz. Abraham und Sarah, Jesus und die Menschen mit ihm, sie alle waren unterwegs, ortlos. Und doch fanden sie ein bergendes »Zelt für die Seele«.

Heimat, so vielfältig und individuell, ist darum auch ein immerwährendes Thema für die großen Erzählungen im Kino zwischen idyllischem Heimatfilm, befremdlicher Heimatlosigkeit und der Suche nach Zugehörigkeit. Letztlich geht es doch immer um die Frage: Wo kann ich Mensch sein?

Ich wünsche Ihnen mit diesem EXTRA eine bereichernde Lektüre auf der Suche nach der eigenen (inneren und äußeren) Heimat.

Lothar Bauerochse

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Personalaudioinformationstext:   Lothar Bauerochseist evangelischer Theologe und Journalist. Er arbeitet in der Religionsredaktion des Hessischen Rundfunks und lebt in Heidelberg.
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