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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2009
Zeitenwende
Die Klimapolitik als Chance für das 21. Jahrhundert
Der Inhalt:

Die mutigen Kerle

von Thomas Klatt vom 20.11.2009
Die Sturmscharen gehorchten nur bedingt der katholischen Kirche, und immer wieder kam es zu Verfolgungen und Schlägereien mit der Hitlerjugend

Der Düsseldorfer Hans Lengersdorf ist fast neunzig Jahre alt, beim Laufen muss er gestützt werden, sein Augenlicht hat er fast verloren. Sein Geist aber ist hellwach, wenn er über seine Zeit als »junger Kerl« spricht. »Das erste Mal bin ich mit der Geheimen Staatspolizei in Kontakt gekommen, als ich noch keine 16 Jahre alt war. Da hab ich dem Vernehmer gesagt: Ich habe gar nicht gewusst, dass es in Deutschland eine Regierung gibt, die vor Kindern Angst hat«, erinnert sich Lengersdorf. Insgesamt elf Mal wurde er zur Gestapo gebracht. Sein Vergehen: Er war Mitglied der katholischen Sturmscharen.

Die Ursprünge der Organisation lagen in der deutschen Jugend- und Wandervogelbewegung noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Die Jungen wollten sich nicht wie etwa bei den kaisertreuen Pfadfindern von Erwachsenen und ausgedienten Militärs kommandieren lassen. Es galt das Prinzip Jugend für Jugend und die Eigenständigkeit der jeweiligen Ortsgruppen. Wichtig war die Flucht aus den Städten, das Verlassen der bürgerlichen Ordnung, das gemeinsame Wandern und Singen.

Auch im katholischen Milieu entstanden während der Weimarer Republik eigenständig autonome Wandergruppen innerhalb der Pfarreien, vor allem im Rheinland und in Schlesien. 1928 schlossen sie sich unter dem Titel Sturmscharen zusammen. Sie verstanden sich selbst als eine Art katholische Elite.

»Das heißt nicht, dass die Sturmscharen arrogant waren. Sie stellten aber hohe Anforderungen an sich selbst. In der Familie, in der Gruppe, in der Kirche und im Staat wollte man Verantwortung übernehmen und sich als Mann bewähren«, erklärt Maria Wego, die das Archiv des Jugendhauses in Düsseldorf hütet. Die Sturmscharen hatten hier bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges ihren zentralen Sitz. Heute beherbergt es den BDKJ, den Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Innerhalb von nur drei Jahren wuchs die katholische Wanderbewegung der Sturmscharen im Deutschen Reich auf bis zu 30 000 Mitglieder in etwa 1000 Wandergruppen an. Der heilige und kämpferische St. Michael wurde ihr Schutzpatron.

»Wir wollen ein Leben in Christus führen. Wir stählen und üben unseren Körper und halten fern von uns, was schädlich ist. Wir leben schlicht und wahr, in enger Verbindung mit der Natur«, hieß es im Gesetz der Schar.Alkohol und Nikotin

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