Alternativer Nobelpreis
Vier Frauen, die die Welt gerechter machen
Jalila Haider: Stimme der Verfolgten
Jalila Haider ist die erste Rechtsanwältin aus der schiitischen Minderheit der Hasara in Pakistan. Die Hasara leben vor allem in Quetta im Westen des Landes. Seit Jahren werden sie verfolgt. Haider vertritt Menschen, die ethnischen Minderheiten angehören, Frauen und trans Personen. Sie tut das oft unentgeltlich und übernimmt auch Fälle, die anderen zu gefährlich oder zu unrentabel sind. 2018 trat sie in einen Hungerstreik, um gegen die Gewalt an den Hasara zu protestieren. Sie erreichte ein Gespräch mit Pakistans damaligem Armeechef. Trotz Morddrohungen, juristischer Verfolgung und Reisebeschränkungen setzt Jalila Haider ihre Arbeit fort.
Mercia Andrews: Säen ohne Konzerne
In Afrika läuft ohne Kleinbäuerinnen nichts. Es sind meist Frauen, die Lebensmittel anbauen und ihre Familien ernähren. Doch nur wenige Bäuerinnen besitzen das Land, das sie bestellen. Mercia Andrews gehört zu den Gründungsmitgliedern der Frauenbewegung Rural Women’s Assembly, die solche Benachteiligungen nicht länger hinnehmen will. 178 000 Bäuerinnen im südlichen Afrika kämpfen gemeinsam gegen patriarchale Strukturen – und gegen die Macht von Agrarkonzernen. Um die Kontrolle über die Ernährung in ihrer Heimat zu behalten, nutzen sie traditionelle Saatgutsorten, die sie auch dokumentieren und untereinander austauschen.
Tamar Oniani: Recht statt Angst
Seit dem Wahlsieg der Partei »Georgischer Traum« 2024 gleitet Georgien in autokratische Strukturen ab: Proteste werden unterdrückt, Medienschaffende an ihrer Arbeit gehindert, NGOs als Staatsfeinde diffamiert. Die von Tamar Oniani geleitete Anwaltsorganisation Georgian Young Lawyers’ Association verteidigt den Rechtsstaat. Seit ihrer Gründung 1994 hat sie in rund 1,5 Millionen Fällen kostenlose Rechtshilfe geleistet und Menschen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vertreten. Dass die Juristinnen trotz der politischen Entwicklungen im Land bleiben, macht sie laut Preisjury zu einem »Rückgrat der Demokratie in Georgien«.
Timnit Gebru: Für eine KI, die weniger diskriminiert
Timnit Gebru stellt eine Frage, die weit über die Tech-Branche hinausweist: Wem nützt künstliche Intelligenz – und wer trägt ihre Risiken? Die Informatikerin untersucht, ob KI-Anwendungen ethischen Werten gerecht werden, und macht auf ihre Schwachstellen aufmerksam. So fand sie heraus, dass Gesichtserkennungsprogramme bei Frauen und nicht-weißen Personen schlechter funktionieren als bei weißen Männern. Als Co-Leiterin der KI-Ethikabteilung bei Google geriet sie wegen einer wissenschaftlichen Veröffentlichung mit dem Konzern in Konflikt und wurde entlassen. Doch die 43-Jährige spricht weiter darüber, wie KI Vorurteile gegen marginalisierte Gruppen reproduziert, weil ihre Anwendungen auf ungefilterte Daten aus der Vergangenheit zurückgreifen. Sie weist zudem auf die Umweltbelastungen durch KI hin und kritisiert den Einfluss rechter und verschwörungsgläubiger Vordenker auf Tech-Unternehmer. Sie gründete ein Forschungsinstitut, das sich kritisch mit KI auseinandersetzt, und ist Mitbegründerin der Organisation »Black in AI«. Auch ihre Lebensgeschichte ist beeindruckend: Gebru wurde in Äthiopien geboren, ihre Eltern stammen aus Eritrea. Mit 15 floh sie vor dem Krieg in ihrer Heimat in die USA.

