Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2009
Aufbrechen.
Lehren aus einer Wahl, die für viele keine war
Der Inhalt:

Das Vermögen teilen

von Hartmut Meesmann vom 09.10.2009
Reiche und arme Christen an einem Tisch. Ein Aufruf

Reiche Christinnen und Christen sollen sich mit ihren armen Brüdern und Schwestern an einen Tisch setzen und gemeinsam mit diesen überlegen, wie sie ihren Reichtum sinnvoll für andere einsetzen können. Das wünschen sich die Mitglieder der Initiative Solidarischer Lohn – Ökumenisches Teilen. Deshalb hat die Initiative, die in den 1980er-Jahren in der badischen evangelischen Landeskirche entstanden war, die christlichen Gemeinden jetzt aufgerufen, in diesem Sinne Reiche und Arme an möglichst vielen Runden Tischen zu versammeln.

In einer Zeit, in der die Sozialpflichtigkeit des Eigentums mehr und mehr unterhöhlt werde und die Spaltung der Gesellschaft zunehme »in eine Mehrheit von Verlierern, deren Löhne stagnieren oder die gar in die Erwerbslosigkeit gestoßen werden, und in eine Minderheit von Gewinnern, deren Vermögen rapide wachsen«, dürften die Kirchen die Frage der privaten Bereicherung nicht mehr ausklammern: »weder gesellschaftlich-politisch noch im Blick auf die persönliche Frage, wie Christen mit der Vermehrung des Reichtums umgehen«.

Die Mitglieder der Initiative argumentieren mit der Bibel. Dort werde jener Reichtum als verwerflich angesehen, »der über das nötige Gebrauchseigentum hinaus so zur Vermehrung des eigenen Eigentums eingesetzt wird, dass andere ihres Gebrauchseigentums und ihrer Würde und Freiheit beraubt werden«. Ein solches Verhalten werde im Alten Testament in den fünf Büchern Mose genauso verurteilt wie beim Propheten Amos, weshalb die Initiatoren ihr Projekt auch – etwas sehr insiderisch – Amos-Tora-Initiative nennen. »Wir verstehen darunter alles, was Vermögende tun können, um Steuergerechtigkeit und eine gerechte Verteilung des gemeinsam erwirtschafteten gesellschaftlichen Reichtums zu fördern«, heißt es in dem Aufruf an die Gemeinden. Dazu zählt aus Sicht der Initiative die »Selbstverpflichtung Vermögender, keine Steuern zu hinterziehen«, sich für eine Vermögenssteuer einzusetzen und dabei als Christen mit gutem Beispiel voranzugehen. Auch eine Beteiligung am internationalen Netzwerk für Steuergerechtigkeit Tax Justice Network zähle dazu.

Für die Idee, runde Tische für Reiche und Arme in den Kirchengemeinden anzustoßen, stützt man sich auf die neutestamentliche Erzählung vom reichen Oberzöllner Zachäus. Der gibt nach einer Reihe von Gesprächen mi

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen