Im Bilde
Porträts gegen das Vergessen
Ein Kaffeefilter hält vier Minuten: füllen, aufgießen, wegwerfen. Die iranische Exilkünstlerin Ghazal Abdollahi dagegen zeichnet Gesichter auf das Papier, das sonst im Müll landet: Frauen aus iranischer Haft und geflüchtete Frauen aus anderen Ländern, so wie sie selbst. Die Idee kam ihr, als ihre Mutter, eine Fotojournalistin und Frauenrechtlerin, Fotos von inhaftierten Frauen schickte. Abdollahi dachte: Mit diesen Frauen würde ich gern einen Kaffee trinken. In einer freien Welt. Abdollahi ging während der »Frau, Leben, Freiheit«-Proteste selbst auf die Straße, geriet ins Visier der Behörden und floh. Seit Ende 2022 lebt sie in Berlin. Kaffee trinkt man gern in Gesellschaft, um sich auszutauschen. Genau das fordern ihre Bilder heraus.

